Gräfe (Karl Ferd. von), ausgezeichneter Chirurg, geb. 8. März 1787 in Warschau, studierte zu Halle und Leipzig Medizin und wurde bereits 1807 Leibarzt des Herzogs Alexius von Anhalt-Bernburg zu Ballenstedt, in welcher Stellung er unter anderm das Alexisbad im Selkethale begründete. Er folgte 1811 einem Rufe als Professor der Chirurgie und Direktor der chirurgischen Klinik nach Berlin. Im Beginn der Befreiungskriege wurde er 1813 als Divisions-Generalchirurgus mit der Administration der Militärheilanstalten Berlins, sodann aber mit der Inspektion des ganzen Lazarettwesens zwischen der Weichsel und Weser beauftragt, wozu 1815 noch die Aufsicht über die Lazarette bis an den Rhein, im Großherzogtum Niederrhein und in den Niederlanden kam. Nach beendigtem Kriege trat er wieder als Professor ein, wurde Mitglied der wissenschaftlichen Deputation im Ministerium der geistlichen, Unterrichts⸗ und Medizinalangelegenheiten, der Ober-Examinationskommission, Generalstabsarzt der Armee mit dem Ah-d eines Obersten und Mitdirektor des Friedrich-Wilhelms-Instituts und der mediz.⸗chirurgischen Akademie. G. wurde 1826 vom Kaiser Nikolaus von Rußland in den Adelsstand erhoben; der König von Preußen erkannte die Standeserhöhung noch in demselben Jahre an. Er starb 4. Juli 1840 plötzlich zu Hannover, wohin er sich zu einer Augenoperation des Kronprinzen begeben hatte. G. zählte zu den berühmtesten und um die Wissenschaft verdientesten Wundärzten neuerer Zeit. Mehrere Instrumente und Operationsmethoden wurden von ihm neu erfunden, andere, wie z. B. die Rhinoplastik, von ihm verbessert. Der chirurgische Unterricht in Deutschland verdankt ihm zum großen Teil seine bessere Gestaltung. Unter seinen größern Schriften sind vorzüglich zu nennen: «Angiektasie, ein Beitrag zur rationellen Kur und Erkenntnis der Gefäßausdehnungend (Lpz. 1808), „Normen für die Ablösung großer Gliedmaßenv (Lpz. 1812), «Rhinoplastiko (Berl. 1818), «Die epidemisch-kontagiöse Augenblennorrhöe Agyptens v (Berl. 1823), Jahresberichte über das klinisch-chirurgisch-augenärztliche Institut der Universität zu Berlin (Berl. 1817—34). Mit Ph. von Walther redigierte er seit 1820 das Journal für Chirurgie Graefe (Albr. von), berühmter Augenarzt, Sohn des vorigen, geb. zu Berlin 22. Mai 1828 studierte daselbst seit 1843 Medizin und widmete si dann zu Prag, Wien und Paris besonders ophthalmologischen Studien. Er errichtete 1850 in Berlin eine Klinik für Augenkranke, wurde 1853 Docent an der dortigen Universität, 1856 außerord. und 1866 ord. Professor der Augenheilkunde. G. ist der eigentliche Begründer der neuern Ophthalmologie, zu deren schnellem Emporblühen namentlich auch die in dieselbe Zeit fallende Helmholtzsche Erfindung des Augenspiegels mächtig beitrug. Die diese Epoche kennzeichnenden Arbeiten befinden sich meist in dem von G. in Gemeinschaft mit Donders und Arlt seit 1855 herausgegebenen «Archiv für dal thalmologiev. Seine großartige Thätigkeit als Lehrer und Arzt fand durch seinen am 20. Aug. 1870 zu Berlin erfolgten Tod einen frühen Abschluß. Sein Denkmal (Bronzestandbild von Siemering) wurde 22. Mai 1882 im Garten der Charité zu Berlin enthüllt. Vgl. Alfred Graefe, Ein „Wort zur Erinnerung an Albrecht von G.v (Halle 1870); Michaelis, Albrecht von G., sein Leben und Wirkeno (Berl. 1877). Graefe (Alfr. Karl), verdienter deutscher an Marem; Vetter des vorigen, geb. 23. Nov. 1830 „zu Martinskirchen bei Mühlberg an der Elbe, besuchte die Realschule und das Gymnasium der Franckeschen Stiftungen zu Halle und widmete sich dann zu Halle, Heidelberg, Würzburg, Leipig, Prag, Berlin und Paris mediz. Studien. on 1854 bis 1858 war er Assistent Albrecht von Gi.s in Berlin, habilitierte sich 1858 zu Halle, ward hier nach einigen Jahren zum außerord. Professor ernannt und gründete ein klinisch-ophthalmologisches Privatinstitut, welches auch den akademischen Lehrzwecken soweit als möglich zu dienen bestimmt war und allmählich an Ausdehnung und Frequenz sehr bedeutend zunahm. G. gehört zu den ersten, welche der Augenheilkunde auf den preuß. Universitäten ihre berechtigte Stellung erkämpften, und als 1873 diese Wissenschaft an denselben eine offizielle Vertretung fand, erhielt er die ord. Professur der Augenheilkunde zu Halle. G. ist Mitarbeiter am «Archiv für Ophthalmologies, gab 1858 die Klinische Analyse der Motilitätsstörungen des Augesv heraus und wurde mit Sämisch Begründer des «Handbuchs der gesamten Augenheilkunde (7 Bde., Lpz. 1874 - 77).