Grammont, eine alte Adelsfamilie aus Hochburgund (Franche-Comte), Zweig des erloschenen Hauses Granges, die nicht mit dem aus Südfrankreich stammenden Geschlecht Gramont (s. d.) zu verwechseln ist. Die G. führen ihren Namen von einer zwischen Vesoul und Montbeliard im Depart. Haute-Saöne gelegenen Herrschaft, die ein Herr von Granges im 13. Jahrh. erwarb und König Philipp IV. von Spanien 1656 zur Grafschaft erhob. Mit der Franche-Comte gelangten die G. und ihre Besitzungen 1678 an Frankreich, wo sie sich unter Ludwig XIV. im Kriegsdienste hervorthaten und bei Hofe großes Ansehen gewannen. Das dem Stammgute benachbarte Landgut Villersexel wurde 1718 zum + erhoben zu Gunsten Michel de G.s, Generallieutenants im Dienste Ludwigs XIV., der ihn sehr schätzte. Ein älterer Bruder Michels bekleidete damals ebenfalls diesen daber militärischen Posten und war Oberbefehlsaber in der Franche-Comté. Auch der Sohn Michels, Pierre de G., starb 1795 als Generallieutenant. Noch größere Popularität wie im Felde erwarben sich die G. im Dienste der Kirche, indem drei Mitglieder der Familie als Erzbischöfe von Besancon ruhmvoll ihren über die ganze Franche-Comte sich erstreckenden Sprengel verwalteten. Es waren dies: Antoine Pierre de G., gest. 1698; Frangois Joseph, gest. 1717, Bruder des genannten Michel; Antoine Pierre, der letztern Neffe, gest. 1754. Zwei andere Mitglieder der Familie machten sich als Staatsmänner bekannt: Alexandre Marie +ππ de Sales Théodule, Marquis von G., geb. 26. April 1765 auf dem Schlosse Dracy-les-Couches (Depart. Saöne-et-Loire). Lafayettes Schwager, ergriff er wie dieser die Ideen von 1789, wurde 10. Aug. 1792 bei der Verteidigung der Tuilerien verwundet, lebte sodann auf dem Lande in stiller Zurückgezogenheit, versöhnte sich nicht mit dem kaiserl. Regierungssystem und erklärte sich, einer von den ersten, für die Wiedereinsetzung der Bourbons. Im J. 1815 wurde er vom Arrondissement Lure in die Deputiertenkammer gewählt, wo er bis 1839 beständig seinen Sitz hatte und während seiner ganzen parlamentarischen Laufbahn mit der konstitutionellen Opposition stimmte. Er starb 22. Mai 1841 auf seinem Schlosse zu Villersexel (Depart. Haute-Saöne). Sein Sohn Ferdinand, Marquis von G., geb. ebendaselbst 6. Juni 1805, wurde Deputierter des Arrondissements Lure an seines Vaters Stelle und behielt seinen Sitz im linken Centrum, solange die Julimonarchie dauerte. Im J. 1848 vom Depart. Haute-Saöne in die Konstituierende Versammlung gewählt, trat er vom linken Centrum zur Rechten über und verlor infolge dieser polit. Sinnesänderung sein Mandat. Nach dem Staatsstreich im Dez. 1851 wurde G., welcher die Politik des Präsidenten angenommen hatte, als Regierungskandidat im Arrondissement Lure gewählt. Bei den Wahlen von 1859 und 1863 erneuerten ihm die Wähler sein Mandat. Im Febr. 1871 in die Nationalversammlung zu Bordeaux gewählt, hielt er sich hier zur Rechten. Bei den folgenden Wahlen trat er nicht mehr als Kandidat auf.