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GeschichteBrockhaus 1882

Gramont (Antoine Alfred Agenor, Herzo von), franz. Minister, geb. 14. Aug. 1819 in Paris, wurde 1838 Artillerieoffizier, nahm aber 1840 seinen Abschied. Nach der Revolution von 1848 schloß er sich an den Prinz-Präsidenten Ludwig Napoleon an und wurde 1850 bevollmächtigter Minister in Kassel, 1852 in Stuttgart, 1853 in Turin, 1857 Gesandter in Rom. Nach der Gründung des nach Wien. Italien kam er 1861 als Botschafter nach Wien, in welcher Stellung er bis 1870 blieb. In dieser Zeit hatte er 1865 in Karlsbad eine Unterredung mit Bismarck, der ihm die Unvermeidlichkeit eines preuß.⸗österr. Kriegs ankündigte, und arbeitete in den folgenden Jahren im Verein mitt Beust an dem Zustandekommen einer gegen Preußen gerichteten Allianz zwischen Frankreich, Ssterreich und Italien. Am 15. Mai 1870 übernahm er das Ministerium des Auswärtigen. Schon bei der Beantwortung der Interpellation über die Gotthardbahn 20. Juni gab er deutlich zu verstehen, wie sehr er es bedauere, daß diese Frage für die Aufstellung eines Kriegsfalls nicht geeignet sei. Um so willkommener war ihm hierfür die span. Thronkandidatur des Erbprinzen von Hohenzollern. Er stellte 4. Juli in Berlin eine Anfrage über dieselbe und beauftragte den preuß. Botschafter, von Werther, dem in Ems verweilenden König Wilhelm zul sagen, daß Frankreich aus dieser Kandidatur eine-Kriegsfrage mache. Am 6. Juli beantwortete er die Interpellation Cocherys in einem Preußen geradezu herausfordernden T ne; 7. Juliigab er dem franz. Botschafter in Berlin, Grafen Benedetti, die Weisung, von dem König zu verlangen, daß er dem: Erbprinzen den Befehl erteile, seine Annahme der span. Krone zurückzunehmen. Nach der⸗ Verzichtleistung des Prinzen stellte G an den preuß. Botschafter 12. Juli die Zumutung, errsolle den König ersuchen, daß er an den Kaiser einen zur Veröffentlichung bestimmten enischuldigenden Brief schreibe, und beauftragte Benedetti, vom König zu verlangen, daß derselbe die Versicherung erteile, daß er niemals zu einer später wieder auftauchenden Kandidatur des Prinzen seine Einwilligung geben werde. Da der König diese Zumutung 13. Juli ablehnte, wurden die Verhandlungen abgebrochen. G. verlas 15. Juli in den Kammern eine Denkschrift, worin der Sachverhalt und die Vorgänge in Ems vollständig entstellt waren, von einer Beschimpfung des Botschafters Benedetti, dem man die Thür gewiesen habe, und von einem die Würde Frankreichs verletzenden Telegramm an die auswärtigen Mächte die Rede war, und forderte einen Kredittfür die ersten Kriegsrüstungen. Darauf folgte die offizielle Kriegserklärung. Das Tadelsvotum, welches der Gesetzgebende Körper in Paris 9. Aug. wegen mangelhafter Kriegsrüstungen aussprach, zwang jedoch das Ministerium Ollivier-Gramontzum Rücktritt. G. begab sich nach Englandund veröffentlichte 1872 die Schrift: „La France et la Prusse avant la guerren. Auch die Broschüre Le présent et Laveniry (Par. 1875), worin Bismarck und ganz Deutschland als die Friedensstörer bezeichnet wurden, scheint von G. verfaßt zu sein. Er starb 18. Jan. 1880 in Paris. — Die beiden Brüder des Ministers, August, geb. 1. Juli 1820, gest. 4. Sept. 1877, und Alfred, geb. 2. Juni 1823, gest. 18. Dez. 1881 in Paris, Grafen von G., dienten als Generale in der franz. Armee und wurden im Kriege von 1870 gefangen genommen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 278Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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