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ErdkundeBrockhaus 1882

Gran (ungar. Esztergom, slaw. Ostrihom) Teilen an beiden Donauufernwerteilttund, wiewohleins der kleinstendoch eins derrschönsten und fruchtbarsten Komitate des zucht sind bedeutend; von ihren Erzeugnissen wird ein großer Teil ausgeführtt. HauptprodukttGis ist aber der Wein, der an Güte und Kraft fastt dem Neszmelyer gleichkommt. Von den (1880) 7d665 — kath. C. sind mehr als vier Fünfteile Magyaren die ubrigen Deutsche und Slawen. Die königl. Freistadt Gran, der Hauptort des Komitats, liegt in angenehmer Gegend amirechten Ufer der Donau, 6 Em oberhalb der Einmün dung der Gran in die letztere. Gi zerfälltt indie königl. Freistadt, in die bischöfl. oder⸗ Wasserstadt, in die St. Thomasvorstadt und in die Vorstadt St. Georgenfeld. Die beiden erstgenannten Stadt. teile sind reich an schönen Gebäuden und öffentlichen Plätzen. Die bedeutendste Zierde Grans ist die nach dem Vorbilde der zu Rom befindlichen Peterskirche angelegte Basilika, deren Bau unter dem Fürst-Primas Kardinall Rudnay 1821 nach dem Plane des Architekten: Kühnel. von Pakh begann und die 31. Augl 1853 vom Kardinal Kirche Ungarns und eine der großartigsten überhaupt. Gelegen auf dem Festungsberge, erreicht sie eine Länge von 106, im Querschiff eine Breite von 49 und eine Höhe von 19,5 m; über ihrer Vierung erhebt sich eine 78 m hohe Kuppel von 26 m Durchmesser, deren Dach von 24 8- 10 m hohen Säulen getragen wird. Die gegen die Donau gerichtete Vorderseite weist ein schönes Frontispiz auf, welches von 10 korinth. Säulen und 26 Pilastern getragen wird. Auf dem flachen Dache befinden sich die Statuen der vier Evangelisten und viele andere Standbilder. Im glänzend ausgestatteten, auf 54 Säulen ruhenden Nnen sind hervorzuheben: das Hochaltarblatt, Mariä Himmelfahrt, vom Venetianer Grigoletti (eins der größten Olgemälde, 12 mehoch, 6 m breit); ein anderes Altarblatt, die Taufe des heil. Stephan, vom Ungarn Heß; die Orgel, ein Werk Mosers; die Statuen des Friedens und der Unsterblichkeit, von Schrott, am Eingange in die Krypta. Die Bakacssche Kapelle aus dem J. 1507, 1827 hier wieder aufgeführt, stand ehemals an einer andern Stelle der Stadt. Großartig ist auch die mit der Basilika verbundene Gruft, zu welcher 66 Stufen führen; die Schatzkammer weist viele Merkwürdigkeiten auf. Die St. Annakirche hat ebenfalls eine Kuppel. Ausgezeichnete Gebäude sind ferner die Paläste des Primas und der Domherren, sowie das Komitats⸗ und Stadthaus. G. ist Sitz eines Erzbischofs, welcher zugleich Primas des Königreichs Ungarn ist und seit 1716 den Fürstentitel führt, der Komitatsbehörden und eines Bezirksgerichts, besitzt ein höheres geistliches Seminar, ein erzbischöfl. Lyceum, eine Lehrerpräparande, ein Gymnasium, eine Unterrealschule, ein Benediktiner-, ein Franziskaner⸗ und zwei Nonnenklöster. Die wertvolle hiesige Gemäldegalerie enthält 209 Nummern. Die (1880) 15 600 E. betreiben vorzugsweise Acker⸗ und Weinbau; auch besitzt G. mehrere warme Mineralquellen, zum Teil schwache erdige Säuerlinge von 27 C., welche zu Bädern benutzt werden. Eine 1822 angelegte Wasserhebemaschine versorgt den 57 mhohen Festungsberg mit Wasser; 3 km im NW. von der Stadt liegt Station Gran-Näna (ungar. Esztergom-Näna) der Linie Marchegg-Budapest-Verciorova der Ssterreichisch-⸗Ungarischen dem am Lin Durch eine Schiffbrücke ist G. mit dem am linken Donauufer gelegenen Marktflecken Pärkäny verbunden. G. ist eine der ältesten Städte Ungarns und war im 10. Jahrh. Residenz des ungar. Fürsten Geisa, wo auch sein Sohn, später der erste ungar. König, Stephan I. der Heilige, 979 geboren und 1000 gekrönt wurde; gleichzeitig wurde hier von letzterm das Erzbistum geründet, welches im Beginn der Türkenkriege nach Tyrnau verlegt wurde, während der Erzbischof selbst seinen Sitz in Preßburg nahm, bis beide 1820 nach G. zurückkehrten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 279Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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