FeedErlau (ungar. Eger, mittellat. Agria)
ErdkundeBrockhaus 1882

Erlau (ungar. Eger, mittellat. Agria), bischöfl. Stadt im Heveser Komitat in Ungarn, an beiden Ufern des gleichnamigen Flusses und an der Ungarischen Staatsbahn in einem tiefen, von Weingebirgen umschlossenen Thale. Der Weinbau bildet die Hauptbeschäftigung der Einwohnerschaft; der Erlauer Wein ist der beste rote Wein Ungarns und auch im Auslande gesucht. Industrie und Handel des Ortes sind bedeutend und werden durch große Wochenmärkte gefördert. E. hat vier Vorstädte und ziemlich enge und vernachlässigte Straßen, ist aber an öffentlichen Gebäuden, Kirchen und Klöstern reich und hat ein von Bischof Karl, Graf von Esterhäzy (1761 — 99) gebautes kath. Rechtslyceum mit Bibliothek und gut eingerichteter Sternwarte und ein ale und Seic ein ule bischöfl. Seminar, eine Normal- und Zeichenschule und mehrere wohlthätige Anstalten, darunter das große und reichdotierte, von dem Domherrn J. Komäromy 1830 gegründete, teils ⸗Gebrerhlhe teils städtische Hospital für Arme, h nach e und Kranke. Die 471 Domkirche ist nach 1837 in Form eines lat. Kreuzes mit hübscher Kuppel in ital. Stile nach den Entwürfen des Architekten Hild vom Erzbischof Ladislaus Pyrker erbaut; an der Westfacade und den Kreuzarmen befinden sich Portiken mit je acht korinth. Säulen; das Innere wird von grünen Marmorsäulen mit weißen Kapitälen getragen. Die zwei warmen Quellen, das Bischofs- und das Raitzenbad, die am Ufer des Erlauflusses entspringen, werden gegen Hautleiden benutzt und ziehen in der Badesaison viele Gäste aus der Umgegend herbei. Die 20669 E. (1880) gehören mit sehr geringen Ausnahmen der röm. Kirche und der magyar. Nationalität an. Seine Bedeutsamkeit verdankt E. namentlich dem sehr alten, angeblich noch von Sanct Stephan I. gegründeten Bistum, das — 0 wegen seines Reichtums den vierten Königsso hn auf seine Kosten erziehen und erhalten mußte und 1804 zum Erzbistum Borfe wurde. Es umfaßt die Komitate Heves, Borsod, Szaboles, sowie die frühern afreien Distriktes Jazygien, den Haiduckendistrikt und Großkumanien mit über 400000 kath. E. Von 1827 bis 1847 war der als deutscher Dichter bekannte Ladislaus Pyrker (s. d.) Erzbischof von E. Die Stadt ist der Sitz der Komitatsbehörde von Heves. Sie spielt in der Kultur- und polit. Geschichte Ungarns eine bedeutende Rolle. Im J. 1241 von den Mongolen zerstört, wurde die Stadt 1261 wieder aufgebaut und mit Ringmauern befestigt. In den J. 1460 und 1468 fanden hier Landtage statt; im J. 1552 verteidigte der heldenmütige Stephan Dobo gegen türk. Übermacht die Stadt vom 10. Sept. bis 12. Okt. und wehrte 13 blutige Stürme ab. Im J. 1563 kam E. in König serdinands I. Hand; 1596 eroberte sie Sultan Mohammed III. Erst 17. Dez. 1687 wurde Stadt und Schloß aus der Türkenmacht befreit. Unter Kaiser Joseph II. wurde das erlauer Schloß aufgelassen, und seitdem verfiel dasselbe in Ruinen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 296Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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