FeedGranier de Cassagnac (Adolphe)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Granier de Cassagnac (Adolphe), eigentlich nur Granier, da der Beiname de Cassagnac auf einer frühern, irrtümlichen Angabe, er sei in einem kleinen Orte Cassagnac geboren, beruht, franz. Publizist, geb. 12. Aug. 1808 zu Bergelle Getzt Averon-Bergelle) im Depart. Gers, besuchte das Gymnasium zu Toulouse, ging 1832 nach Paris, ergriff feurig die Sache des Romantismus und wurde unter Victor Hugos Auspicien Mitarbeiter des „Journal des Débatso. Die rauhe und bissige Art seiner Kritik mißfiel dem ältern Bertin, war aber eine Empfehlung bei E. de Girardin, der ihn fur die Pressep anwarb. Für dieselbe schrieb er litterarische Artikel und erregte viel Lärm durch seine Ausfälle gegen Racine, den er einen ahn bereißerv ½½˙ schalt. G.s polit. Laufbahn begann 1840. Er beteiligte sich zuerst an dem ministeriellen Journal Le Glober und begründete 1845, als dieses Blatt einging, eine neue, ebenso ultrakonservative Zeitung: LEpoquev. Nach der Februarrevolution begab er sich in seine Heimat und blieb daselbst bis 1850, wo er die Redaction des „Pouvoiro übernahm und zugleich Mitarbeiter am „Constitutionnelo wurde. In beiden Journalen befehdete er auf das erbittertste die Legislative und forderte die Rettung Frankreichs durch einen Staatsstreich. G. wurde 1852 im Depart. Gers als offizieller Kandidat für den Gesetzgebenden Kör0 gewählt; 1857 wiedergewählt, verteidigte er ortwährend mit größter Leidenschaftlichkeit, auf der dnerbühne wie in der Journalistik, die konservativen Interessen und stiftete mit Barbey d'Aurevilly ein neues Wochenblatt: Le Réveib, welches aber keinen langen Bestand hatte. G. übernahm nun die Leitung des Payso, sodann 1. Jan. 1863 die der Nationvo. Bei den Wahlen von 1863 wurde er wiederum gewählt. Im J. 1866 als Chefredacteur zum Pays » zurückgekehrt, berief er lenit Sohn Paul als Mitredacteur, und die Poemik dieses Blattes erreichte nun einen immer höhern Grad der Heftigkeit; 1868 wurde G. mit éröme David eins der Häupter des Bonapartistenvereins der Rue de l'Arcade, der sich zum Zweck eines entschiedenen Widerstandes gegen liberale Konzessionen gebildet hatte. Nach dem Sturze des zweiten Kaiserreichs 6 er nach Brüssel und gründete hier das Journal Le Drapeaus, welches die «Appellation ans Volko als einziges und untrügliches Rettungsmittel für Frankreich forderte. Bei den Deputiertenwahlen im Febr. 1876 wurde G. für das Arrondissement Mirande (im Depart. Gers) gewählt. G. verfaßte zahlreiche histor. Werle, unter denen zu nennen sind: «Histoire des classes ouvrières et des classes bourgeoiseso (Par. 1837), (Histoire des classes nobles et des classes anoblieso (Par. 1840), UHlistoire des causes de la révolution françaiser (4 Bde., Par. 1850), Histoire du directoirer (3 Bde., Par. 1851—56), Histoire de la chute du roi Louis-Philippe, de la révolution de février et du rétablissement de Pempireo (2 Bde., Par. 1857), «Histoire des Girondins et des massacres de septembrey (2 Bde., Par. 1860) u. s. w. Trotz fließender und dabei kraftvoller Darstellung treten in diesen Arbeiten Mangelhaftigkeit der Forschung und Parteilichkeit des Urteils hervor. G. starb auf seinem Landsitz Couloumé bei Plaisance im Depart. Gers 31. Jan. 1880.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 287Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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