Graß (Karl Gotthard), Landschaftsmaler und Dichter, geb. auf der Pfarre Serben in Livland 8. (19.) Okt. 1767, besuchte das Lyceum zu Riga und studierte zu Jena 1786—89 Theologie, beschäftigte sich aber mehr mit Litteratur und Kunst und trat in nähere Beziehung zu Schiller, mit dem er seit 1796 im Briefwechsel blieb und für dessen Rheinische Thalia er unter anderm den Rheinfallo lieferte. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Heimat lebte G. seit 1796 längere Zeit in der Schweiz, wo er sich unter der Leitung von Ludw. Heß zum Landschaftsmaler ausbildete. Hier gab er seine Fragmente von Wanderungen in der Schweizy (Zür. 1797) heraus. Nach einem kurzen Ausenthalt in Paris 1801 lebte er einige Zeit bei seinem Freunde Salis in Graubünden und begab sich mit Rehfues 1803 nach Italien, wo er sich namentlich längere Zeit in Sicilien aufhielt. Seine hervorragendsten Olgemälde sind: Frühlingsmorgen im Thale San-Angelo di Brolo, der Konkordientempel bei Girgenti, der Wasserfall von Carcacci unter dem Atna, ein Idyll aus dem Theokrit mit einer Küstenansicht von Taormina, ferner zwei Bilder des Atna, die er für Cotta 1811 malte. Seine „Sicilische Reisedo gab Cotta mit 26 Kupfern nach G.schen Handzeichnungen (Stuttg. 1815) heraus. G. starb in Rom 4. Aug. 1814. Vgl. Tielemann, „Karl G. Eine biogr. Skizzer (Riga 1818).