FeedGrasse
ErdkundeBrockhaus 1882

Grasse, Hauptstadt eines Arrondissements im franz. Depart. Seealpen, 40 Km im WSW. von Nizza, 13 km vom Mittelmeer und 325 müber demselben gelegen, durch eine Zweigbahn nach (20 km) Cannes mit der Paris-Lyon-Mittelmeerbahn verbunden, breitet sich amphitheatralisch am Südabhange des Mont-Rocavignon aus, von dem aus eine reiche Quelle die Stadt und ihre schönen Fontänen, sowie die reichen Gärten der Umgebung, in denen Orangen und Citronen, selbst Palmen im Freien wachsen, mit Wasser versieht. G. zählt (1876) 9673 (als Gemeinde 13087) E. und ist im ganzen gut gebaut, hat aber enge, krumme und steile Straßen, beltsten schöne Promenaden mit einem Marmorobelisken und herrlicher Aussicht. Das Stadthaus ist die ehemalige bischöfl. Residenz, die Parochialkirche und zwei Felsenkrypten die frühere Kathedrale. Die alte Kapelle St.⸗Sauveur oder St.⸗Hilaire stammt aus dem 11. Jahrh. Die Kapelle eines der drei vorhandenen Hospitäler enthält drei Gemälde von Rubens. Von den mittelalterlichen Befestigungen steht nur noch ein Turm. G. ist der Sitz eines ues Heichen erster Instanz, eines Handels⸗ und eines Friedensgerichts, einer Ackerbau⸗ und einer Gewerbekammer, besitzt eine Börse, ein Theater, ein Kommunal-Collége, ein Kleines Seminar, ein Zellengefängnis, eine 1867 gegründete Gesellschaft der Naturwissenschaften und der Geschichte und eine öffentliche Bibliothek von 11000 Bänden, mit sehr wertvollen, aus der Abtei der Lerinischen Inseln stammenden Manuskripten. Die Bevölkerung kultiviert wohlriechende Pflanzen, wie Orangen, Jasmin, Rosen, Heliotrop, Tuberosen u. s. w., und fabriziert berühmte Essenzen und Parfümerien, für welche G. nächst Paris der wichtigste Ort in Frankreich ist; die 70 vorhandenen Etablissements konsumieren im Mai, wenn man die Ole abdestilliert, täglich 45000 Kkg Rosenblätter und 16000 kg Orangenblüten. Ein kleines Gewässer treibt zahlreiche Olivenöl- und Getreidemühlen. Ferner werden Seife, Liqueure, trockene Dnen zur Ausfuhr bereitet und Bienenzucht, Gererei, Seidenspinnerei, Töpferei, Korbflechterei, wichtige Marmorbrüche betrieben. Lebhaft ist auch der Handel. Im Anfang des 10. Jahrh. war G. (mittellat. Grassa) noch ein kleiner Ort im Pagus Antibulensis des Königreichs Burgund, erhob sich aber durch blühenden Handel bald zu einer der wichtigsten Städte der Provence. Von 1244 bis 1790 war es Bischofssitz, den Innocenz IV. von Antibes hierher verlegte, und seit 1570 Hauptort einer eigenen Landvogtei. Im 12. und 14. Nrl von afrik. Seeräubern, 1536 bei Annäherung Karls V. von den Einwohnern selbst zerstört, wurde es an seiner jetzigen Stelle wieder aufgebaut, fiel 1589 in die Hände der Liguisten und des Herzogs von Savoyen, befreite sich aber 1593 wieder. J. 1707 belagerte es Prinz Eugen und der Herzog von

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 304Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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