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ErdkundeBrockhaus 1882

Gap, Hauptstadt des franz. Depart. Oberalpen und der ehemaligen Grafschaft Gapengois im Dauphiné, 74 km im Südsüdosten von Grenoble, in 739 m Meereshöhe in einer von mächtigen Bergen im Halbkreis umgebenen Ebene an der Paris-Lyon-Mittelmeerbahn romantisch gelegen, ist der Sitz eines Bischofs, eines Gerichtshofs erster Instanz, eines Assisenhofs und Friedensgerichts und hat ein Priester⸗ und ein Lehrerseminar, ein Kommunal-Collége, ein Lehrer⸗ und Lehrerinnenseminar, eine öffentliche Bibliothek von 15000 Bänden, eine Ackerbaukammer und eine Ackerbaugesellschaft. Der Ort ist schlecht gebaut und hat erst in neuerer Zeit durch einige Neubauten ein freundlicheres Ansehen gewonnen. Die bemerkenswertesten Gebäude sind die neue Kathedrale im Spitzbogenstil mit einem sechseckigen Turm, die Präfektur mit dem früher in der Kathedrale befindlichen Mausoleum des Connétable Lesdiguieres, aus schwarzem Marmor und aus Alabaster, einem Meisterstücke Jakob Richiers, das Rathaus, das Theater, die Kasernen und eine 1832 erbaute große Cisterne. Ein 50 km langer Kanal führt Wasser aus dem Drac herzu; derselbe mündet mittels eines 3600 m langen Tunnels in das Bassin der Luye, und bewässert 3000 ha in der Umgegend von G. Die Stadt zählt (1876) 7249, als Gemeinde 9294 E., die einige Fabrikation in Zeug und Hüten, sowie Marmorbrüche, Brennerei, Gerberei und Töpferei betreiben und Handel mit Früchten, Vieh, Leder, Wolle und Talg unteralten. — G. steht auf der Stelle der röm. Stadt gapincum, der Hauptstadt der Tricoriischen Gallier, und empfing das Evangelium im 4. Jahrh. durch den heil. Demetrius, seinen ersten Bischof. Sie wurde von den Goten, Longobarden und Sarazenen zerstört. Im spätern Mittelalter gehörte G. abwechselnd den Grafen von Forcalquier, dem Bischof der Stadt und dem Dauphin von Vienne. m J. 1577 nahm es Lesdiguières und baute eine itadelle, welche Richelieu zerstörte. G. litt seit 1264—1828 fünfmal durch Erdbeben. Auch in den Reuersorunn bel litt es viel; 1692 wurde es durch Feuersbrunst bei der Eroberung durch den Herzog Victor Amadeus von Savoyen fast ganz zerstört.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 531Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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