Graesse (Joh. Georg Theodor), ausgezeichneter Bibliograph und Litterarhistoriker, geb. 31. Jan. 1814 zu Grimma, erhielt seine Bildung auf der dortigen loo C5. t an welcher sein Vater, Johann Gottlob G. (gest. 1827), Professor war, und widmete sich seit 1832 in Leipzig unter Hermann dem Studium der Philologie. Hierauf wandte er nach Dresden, wo er einige Jahre später Kollaborator an der Kreuzschule, daneben 1843 Privatbibliothekar des Königs Friedrich August II. wurde. Nachdem er 1848 als Inspektor des Münzkabinetts in Staatsdienste übergetreten, erfolgte 1852 seine Ernennung zum Direktor der Porzellan-und Gefäßsammlung, worauf ihm 1864 auch noch das Amt eines zweiten Direktors des Grünen Gewölbes übertragen und er 1871 zum ersten und alleinigen Direktor desselben ernannt ward. Im J. 1878 war ihm auch noch die Direktion der königl. Münzsammlung übertragen. Seinen Ruf als Litterarhistoriker und Bibliograph begründete G. durch sein Lehrbuch einer allgemeinen Litterärgeschichter, von welchem der erste Band die Alte Welt (2 Tle., Dresd. u. Lpz. 1837—38), der zweite (3 Tle., 1839 —43) das Mittelalter, der dritte (3 Tle., 1852—58) die neue Zeit, ein vierter (1859) die Register zu sämtlichen Abteilungen umfaßt. Eine kürzere Bearbeitung desselben Stoffs gab G. im Handbuch der allgemeinen Litteraturgeschichtes (4 Bde., Dresd. 1844—50), welchem sich ein «Leitfaden der allgemeinen Litteraturgeschichtes (Magdeb. u. Lpz. 1854; 3. Aufl. 1860) anschloß. G.s zweites Hauptwerk ist der Trésor de livres rares et précieuxo (7 Bde., Dresd. 1858 — 69). Kleinere bibliogr. Arbeiten sind die Bibliotheca magica (Lpz. 1843) und die „Bibliotheca psychologica (Lpz. 1845). Außer der übersetzung der cGesta Romanorumo (2 Bde., Dresd. 1842) und der kritischen Ausgabe der Legenda aurea des Jacobus a Voragine (Dresd. 1846) gehören dem Gebiet der Sagenkunde an die Untersuchungen über «Die Sage vom Ewigen Judeno (Dresd. 1844) und „Die Sage vom Ritter! Tanhäuserv (Dresd. 1846; 2. Aufl. 1860), f owie die (Beiträge zur Litteratur und Sage des Mittelalterso (Dresd. 1850). Diesen reihten sich an der «Sagenschatz des Königreichs Sachsen» (Dresd. 1854 — 557 2. Aufl., 2 Bde., 1874), die in Gemeinschaft mit Asbjörnsen veranstaltete Märchensammlung Mord und Südo (Dresd. 1858), sein „Sagenbuch des reuß. Staatso (2 Bde., Glogau 1868—69), Deutche Namen⸗, Geschlechts- und Wappensagen (Dresd. 1876), Bierstudien» (Dresd. 1872), Jägerbrevierd (Dresd. 1857; 2. Aufl., Wien 1869), (Wien 1875) und «Des deutschen Landmanns Praktikao (Dresd. 1858). Außerdem veröffentlichte G. ein «Handbuch der alten Numismatik» (Lpz. 1852 —55), „Beiträge zur Geschichte der Gefäßbildnerei, Porzellanfabrikation u. s. w.(Dresd. 1853), (Guide de Pamateur de porcelaines et de poterieso (Dresd. 1864; 6. Aufl. 1881), Guide de l'amateur d'objets raresd (Dresd. 1872; 2. Aufl. 1877), (Beschreibender Katalog des Grünen Gewölbeso (Dresd. 1872; 4. Aufl. 1881; frz. 1872; engl. 1874), „Beschreibender Katalog der königl. Porzellansammlungo (Dresd. 1874), «Orbis latinuso (Dresd. 1861), „Sachsens Fürsten aus dem Hause Wettin? (Dresd. 1875), Unsere Vor⸗ und Taufnamen (Dresd. 1875). Im J. 1880 publizierte er für den Litterarischen Verein zu Stuttgart zwei lat. Fabelwerke des Mittelalters, das Speculum sapientiaer des Cyrillus und den Dialogus creaturarumy des Nikolaus Pergamenus. Seit 1878 veröffentlicht er eine «Zeitschrift für Museologie Wegen einer Augenkrankheit legte G. 1882 zeue Amter nieder.