FeedGregor XVI.
ReligionBrockhaus 1882

Gregor XVI., Papst vom 2. Febr. 1831 bis 1. Juni 1846, hieß eigentlich Bartolommeo Alberto Cappellari. Geb. 18. Sept. 1765 zu Belluno im Gebiet der Republik Venedig, trat G. mit 18 Jahren in das Camaldulenserkloster San-Michele bei Venedig und wurde 1795 als Begleiter des Generalvikars seines Ordens nach Rom gesandt. Hier schrieb er sein apologetisches Werk «II triomfo de la santa sede (Rom 1799; deutsch, 2. Aufl. 1848), wurde 1800 Mitglied der Accademia ecclesiastica in Rom, 1801 Abt seines Ordens im dortigen Kloster San-Gregorio, 1815 Konsultor mehrerer wichtiger Kongregationen, 1823 General seines Ordens, 1826 Kardinal und Präfekt der Congregatio de propaganda fide. Auch zu mancherlei Geschäften der Kurie wurde er herangezogen; er hat z. B. das Konkordat mit den Niederlanden abgeschlossen, mit der preuß. Regierung über die gemischten Ehen verhandelt und das bekannte Breve vom 25. März 1830 entworfen. So vorbereitet wurde G. nach dem Tode Pius' VIII. 2. Febr. 1831 zum Papst gewählt. Für den Kirchenstaat war es eine bewegte Zeit, denn der Geist der Revolution griff immer weiter um sich, sodaß nur durch österr. und franz. Intervention die Ruhe wiederhergestellt werden konnte. Auch nachher ließ G. es an den nötigsten Reformen fehlen, und die innere Zerrüttung des Kirchenstaates infolge der schlechten Verwaltung wuchs . mit der drückenden Staatsschuld. Nach außen hin war G. eifrig bemüht um die Ausbreitung des kath. Glaubens in allen Weltteilen. Im Verhältnis zu den weltlichen Mächten machte er mit Nachdruck, wenn auch verschiedenem Erfolg, die päpstl. Ansprüche geltend. Portugal und Spanien kehrten nach mancherlei Wirren seit 1844 zur Obedienz zurück. In Frankreich steigerte sich der Einfluß der kath. Kirche fortgehend; selbst in England wuchs die Zahl der kath. Bevölkerung bedeutend. Auch in Preußen, wo die Frage wegen der gemischten Ehen zu energischen Maßregeln gegen die Ue braar Droste-Vischering und Dunin geführt hatte, brachte der Regierungsantritt Friedrich Wilhelms IV. der päpstl. Anmaßung den Sieg. Nur der Konflikt mit Rußland wegen der Rückkehr einiger Millionen Griechen zur russ. Kirche führte nicht zu einem befriedigenden Ausgang. Vgl. B. Wagner, «Gregor XVI.„ (Sulzbach 1846); Fr. Nielsen, «Die röm. Kirche im 19. Jahrh.» (deutsch von Michelsen, Bd. 1, Gotha 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 330Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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