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ErdkundeBrockhaus 1882

Grimma, Stadt in der Kreishauptmannschaft Leipzig des Königreichs Sachsen, 30 Em ostsüdöstlich von Leipzig am linken Ufer der Mulde, Station der Linien Leipzig⸗-Döbeln-Dresden und Glauchau-Wurzen der Sächsischen Staatsbahnen, in einem Thalkessel reizend gelegen, ist Sitz einer Amtshauptmannschaft, eines Amtsgerichts, einer Superintendentur, eines Bezirksschulinspektors und zählt (1880) 8042 E. Unter den öffentlichen Gebäuden ist das im J. 1883 im Renaissancestil neuerbaute Bürgerschulgebäude, das Bezirkskorrektions- und Siechenhaus, das 1442 erbaute Rathaus und das königl. Schloß (in welchem jetzt das Amtsgericht und Rentamt und die Bezirkssteuereinnahme), unter den vier luth. Kirchen die 1685 erbaute Klosterkirche und die im 13. Jahrh. erbaute Frauenkirche bemerkenswert. Außerdem hat G. eine kath. Kapelle, ein 1838 gegründetes Schullehrerseminar, seit 1874 in einem ansehnlichen Neubau, ein zweites Seminar für ältere Schulamtsaspiranten (seit 1855) und eine Realschule zweiter Ordnung mit Progymnasium. Am bekanntesten ist G. durch seine Landes- und Fürstenschule (IIlustre Moldanum), welche Kurfürst Moritz in dem ehemaligen, 1288 gegründeten Augustiner-Eremitenkloster errichtete. Sie wurde 14. Sept. 1550 eingeweiht, besteht seit dem Umbau 1828 aus einem Alumneum mit 104 Frei⸗ und 22 Koststellen und hat eine Bibliothek von über 10000 Bänden. Das sonst hier blühende Fabrikwesen in Tuch u. s. w., sowie der ehemals beträchtliche Holzhandel haben ganz aufgehört. Neben den verschiedenen Gewerben wird viel Ackerbau getrieben; von industriellen Etablissements sind die Kunstmehlmühlen mit großer Wasserkraft, eine Eisengießerei und Maschinenbauanstalt, eine Patentziegelei, eine Fabrik von Brennereieinrichtungen, zwei Wäsche⸗ und Garnbleichen, mehrere Druckereien für leinene und wollene Stoffe und eine Papierdütenfabrik bemerkenswert. Von den öffentlichen Denkmälern der Stadt verdient das Kriegerdenkmal in den Promenaden und das Luther-Denkmal an der Frauenkirche erwähnt zu werden. Die Stadt besitzt sehr schöne Promenaden und in unmittelbarer Nähe ausgedehnte und gutgepflegte Waldparkanlagen. G. wird immer mehr ein besuchter Sommerfrischort. Die merkwürdigsten Punkte der Umgegend sind das jetzt der Fürstenschule gehörige Klostergut Nimbschen mit den Ruinen des 1251 gegründeten Cistercienserklosters, in welchem Katharina von Bora lebte, das schön gelegene Hohenstädt, wo Göschen 1796 — 1828 seinen Landsitz hatte, das Dorf Döben mit altem Schlosse, bereits 1185 als Burg Dewin urkundlich, auf welcher Albrecht der Stolze seinen Vater Otto den Reichen gefangen gehalten haben soll, und die Golzermühle mit Kunstmehlmühle, Maschinenbauanstalt und Papierfabrik. G. ist sorbischen Ursprungs und wird schon 1065 urkundlich als Stadt erwähnt. Seit Erbauung des Schlosses, das schon 1200 stand und in welchem 1443 Albrecht der Beherzte geboren wurde, hielten die Markgrafen von Meißen und Kurfürsten von Sachsen hier öfters Hof. Am 17. Juli 1531 kam zu G. der sog. Grimmaische Machtspruch zu Stande, der die Streitigkeiten der beiden sächs. Linien über Lehns-, Münz⸗ und Bergsachen schlichtete. Vgl. Lorenz, «Die Stadt G. im Königreich Sachsend (Lpz. 1871); Führer durch G. und Umgegendo (3. Aufl., Grimma 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 425Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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