FeedGribeauval (Jean Baptiste Vaquette de)
GeschichteBrockhaus 1882

Gribeauval (Jean Baptiste Vaquette de), franz. Ingenieur und Artilleriegeneral, geb. 15. Sept. 1715 zu Amiens, trat 1732 in die franz. Artillerie und erhielt 1752 als Kapitän im Mineurkorps vom Kriegsminister d'Argenson den Auftrag, nach Berlin zu reisen, um über die von Friedrich II. eingeführte leichte Regimentsartillerie Bericht zu erstatten. Im J. 1757 wurde G. zum Oberstlieutenant befördert und trat bald darauf als General und Kommandant des Artillerie-und Mineurkorps in österr. Dienste; seinen Anordnungen bei der Belagerung von Glatz 1760 ist vorzugsweise die Eroberung dieses wichtigen Platzes zu danken. G. stellte ein eigenes System des Minenkriegs auf, welches er in Schweidnitz 1761 als Ingenieur gegen Friedrich II., der die Belagerung dieser Festung in eigener Person leitete, wirksam zur Anwendung brachte. Die Kaiserin Maria Theresia ernannte G. zum Feldmarschalllieutenant. Nach geschlossenem Frieden wurde G. von Ludwig XV. zurückberufen und zunächst als Mareéchal-de-Camp und Generalinspektor der Artillerie angestellt, 1765 zum Generallieutenant befördert, fiel aber nachher eine Zeit lang in Ungnade. Ludwig XVI. ernannte ihn 1776 zum Gouverneur des großen Arsenals. Er starb 9. Mai 1789. G. schuf das nach ihm benannte Artilleriesystem, dessen Grundzüge er 1764 feststellte, und welches sich in den Kriegen der Republik und des Kaiserreichs trefflich bewährte. Die Belagerungsartillerie wurde von der Feldartillerie ganz getrennt, letztere bestand nur noch aus 12pfündigen, Spfündigen und 4pfündigen Geschützen, 6zölligen Haubitzen und Ipfündigen Amüsetten als Bataillonsstücken. Die Rohre wurden verkürzt und erleichtert, die größte Schußweite für den Kugelschuß auf 940 m herabgesetzt, für den Kartätschschuß dagegen auf 377 565m erhöht, der Spielraum wurde vermindert, die Zahl der Bedienungsmannschaft und Pferde herabgesetzt, die Bataillonsgeschütze wurden vermehrt. G. führte Kastenprotzen und vierräderige Munitionswagen ein, ferner das Langtau, die Richtschraube und den Aufsatz. Alle Geschütze und Fahrzeuge der franz. Artillerie waren nach einheitlichen Grundsätzen konstruiert. Aus der Festungsartillerie wurden die 4pfündigen Geschütze ausgeschieden, ebenso die 12zölligen Mörser; 1749 erfand G. die Wall-Lafette und die hohe Rahmenlafette. G.s Geschützsystem wurde +7 1772 auf Grund einseitiger Versuche fast gänzich ntee Monn⸗ aber schon 1774 durch den Kriegsminister Mony wieder eingeführt; dasselbe erhielt erst 1803 einige Abänderungen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 350Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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