Griechisches Feuer (feu grégeois) ist ein Sammelname für gewisse leicht brennbare und stark zündende, zum Teil auch explosive Gemenge, wie sie unter der Herrschaft der griech. Kaiser als wirksames Kampfmittel namentlich im Seekriege gebraucht wurden. Bereits vor der christl. Zeitrechnung kannten die Chinesen und Inder pulverähnliche Mischungen, deren sie sich zur Herstellung von Feuerwerkskörpern bedienten und welche namentlich auch von der Priesterschaft zu Kultuszwecken ausgebeutet wurden. Es ist erklärlich, daß die Kenntnis solcher Substanzen allmählich weiter nach Westen und so auch zu den Griechen gelangte, die nach einem Briefe des Kaisers Konstantin Porphyrogennetos aus dem J. 949 bereits unter Konstantin d. Gr. das Griechische Feuer gekannt haben. In den J. 671— 678 unter Konstantin IV. Pogonatus, sowie 717 unter Leo III. dem Isaurier machten die Griechen nachweislich einen wirksamen Gebrauch von dem Griechischen Feuer gegenüber den Angriffen der Araber auf Konstantinopel, indem sie denselben damit viele Schiffe verbrannten und Leute töteten. Man nimmt gewöhnlich an, ein griech. Architekt, Kallinikos aus Heliopolis, habe im J. 668 dem Kaiser Konstantin IV. das Rezept des Griechischen Feuers mitgeteilt, nachdem er es selber wieder von den Arabern erhalten. Letzteres ist aber um so weniger anzunehmen, als sich das Mittel erst viel später in den Händen der Sarazenen befindet, welche es vielmehr von den Griechen erhalten haben können und gegen die Kreuzfaber und schließlich gegen das oström. Kaiserreich elber ausnutzten. Bei den Griechen war das Griechische Feuer Staatsgeheimnis, und es sind auch keine authentischen Aufzeichnungen über die Zusammensetzung desselben erhalten Ieniund Nach den Mitteilungen über sein Verhalten und die Art des Gebrauchs ist anzunehmen, daß man verschiedene Mittel unter demselben Namen gebraucht hat und daß es wohl auch im Laufe der Zeit Anderungen in der Zusammensetzung erfahren hat. Häufig scheint es weiter nichts als ein slasfges Ol, dem Hauptbestandteile nach Naphtha (eine Art Erdöl, ähnlich dem Petroleum) gewesen zu sein, dann wieder ein Gemenge von Pech, Erdöl mit Schwefel und Salpeter, endlich auch eine ähnliche Substanz wie unser heutiges Kaltgeschmolzenzeug (Grauer Satz, aus den Pulverbestandteilen zusammengesetzt, indes in weniger kräftiger Mischung, dazu Kolophonium oder ein ähnliches Harz), das auch noch den Namen Griechisches Feuer führt. Der Gebrauch ist sehr verschieden, bald wird es in irdenen oder in eisernen Gefäßen mittels Wurfmaschinen brennend auf den Feind geschleudert, bald an Pfeilen befestigt fort50ch bald in Spritzenschläuchen auf die feindichen Schiffe gepumpt, bald in kleinen Röhren brennend auf den Gegner geworfen. Auch wird das Mittel ähnlich wie der Satz der Raketen im Sinne einer schwachen treibenden Kraft ausgebeutet. Ganz besonders hebt man die vernichtende Brennkraft und die Eigenschaft des Griechischen Feuers hervor, auch unter Wasser fortzubrennen. Allmählich entwickelte sich aus dem Griechischen Feuer das Schießpulver, und damit geriet ersteres in Vergessenheit. Vgl. Rud. Schmidt, «Die Entwickelung der Feuerwaffen und anderer Kriegswerkzeuger (Schaffhausen 1868); M. Jähns, «Handbuch einer Geschichte des Kriegswesenso (Opz. 1880).