Griesinger (Wilh.), namhafter Arzt, besonders auf dem Gebiete der Psychiatrie bedeutend, geb. 29. Juli 1817 zu Stuttgart, besuchte das Gymnasium daselbst, studierte in Tübingen, Zürich und Paris Medizin, ließ sich 1839 in Friedrichshafen als praktischer Arzt nieder und war 1840—42 Assistenzarzt in der Irrenanstalt Winnenthal. Darauf wurde er nach einem abermaligen Besuche in Paris 1843 Assistenzarzt Wunderlichs an der Klinik in Tübingen, habilitierte sich zugleich als Privatdocent und veröffentlichte sein Lehrbuch über die „Pathologie und Therapie der psychischen Krankheiteno (Stuttg. 1845; 3. Aufl., Braunschw. 1871). Er wurde 1847 außerord. Professor, folgte 1849 einem Rufe als ord. Professor der Pathologie nach Kiel, 1850 einem solchen nach Kairo als Direktor der Medizinischen Schule und I0. des Vizekönigs von Agypten, Abbas Pascha. Aber vielfach enttäuscht kehrte er 1852 zurück, lebte zunächst in Stuttgart und wurde 1854 als ord. Professor der Medizin und Vorstand der Klinik nach Tübingen berufen, 1859 auch zum Vorstand der Anstalt für geistesschwache Kinder in Mariaberg erwählt. Im J. 1860 ging er als ord. Professor nach Zürich. Hier wurde er Mitglied der Medizinalkommission, errichtete 1863 in der Irrenanstalt des alten Hospitals eine psychiatrische Klinik und erhielt schließlich die Vorarbeiten zu einer neuen Irrenanstalt übertragen. Im März 1865 siedelte er nach Berlin über, wo ihm neben der Irrenklinik auch eine Station für Nervenkranke und die Direktion der Poliklinik, die er indes schon 1867 wieder abgab, zugestanden worden war. In Berlin gründete er ein (Archiv 15 Psychiatrie und Nervenkrankheiteno, dessen erstes im Okt. 1867 erschienenes Heft einen berühmt gewordenen Aufsatz Zur Reform des Irrenwesens in Deutschlando brachte und ihn in heftige Kämpfe mit den Fachgenossen verwickelte. Er starb in Berlin 26. Okt. 1868. Außer zahlreichen Abhandlungen in Wunderlichs Archiv für physiol. Heilkunder (nachmals «Archiv der Heilkundev) sind noch besonders Die Infektionskrankheiteno in Virchows «Handbuch der spe⸗ „ziellen Pathologie und Therapiev (Bd. 2, Abteil. 2 2. Aufl., Erlangen 1867) hervorzuheben. Na seinem Tode erschienen: „Gesammelte Abhandlungeno (2 Bde., Berl. 1872). Vgl. Wunderlich, „Wilhelm G. Biographische Skizze (Lpz. 1869).