FeedDiefenbach (Lorenz)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Diefenbach (Lorenz), ausgezeichneter deutscher Sprachforscher und Ethnolog, geb. 29. Juli 1806 zu Ostheim im 50rg Dach Hessen, wo sein Vater, Johann Georg D. (geb. 1. Sept. 1757, gest. 8. Dez. 1831), seiner Zeit als freisinniger theol. Schriftsteller bekannt, als Prediger wirkte, bezog schon im 15. Jahre die Universität Gießen, wo er sich bis 1823 theol. und philol. Studien widmete, und beschäftigte sich dann in Frankfurt a. M. mit Musik und den modernen Sprachen. Nach mannigfachen Wanderungen lebte er 12 Jahre hindurch als Pfarrer und Bibliothekar zu Solms-Laubach, wo er einen großen Teil seiner Thätigkeit der Volksbildung zuwandte. Behufs seiner wissenschaftlichen, besonders sprachlichen Studien unternahm er von dort aus mehrere Reisen und legte endlich seine Stelle ganz nieder. Er lebte hierauf an verschiedenen Orten Deutschlands, besuchte auch die Schweiz, Belgien und Frankreich und trat 1845 zu Offenbach zu der von ihm daselbst mitbegründeten deutschkath. Gemeinde über. Letztere Stadt erteilte ihm 1848 das Ehrenbürgerrecht und sandte ihn in das Vorparlament nach Frankfurt a. M. Er nahm nun seinen bleibenden Wohnsitz in Frankfurt a. M., wo er 1865 zum zweiten Stadtbibliothekar ernannt wurde. Dis litterarische Thätigkeit ist eine ungemein vielseitige. Seinen Ruf als Sprachforscher begründete er mit den Schriften: liber die roman. Schriftsprachen» (Gieß. 1837), über Leben, Geschichte und Sprache (Gieß. 1835) und alber eine mittelhochdeutsche Bearbeitung der Sage von Barlaam und Josaphat » (Gieß. 1836). Seine Hauptwerke sind: die „Celticay (3 Bde., Stuttg. 1839— 42), denen sich später die „Origines Europaeae v (Frankf. 1861) anschlossen, ferner das Vergleichende Wörterbuch der got. Sprachev (2 Bde., Frankf. 1846—51) und die (Vorschule der Völkerkunde und der Bildungsgeschichteß (Frankf. 1864). Hierzu kommen noch die Pragmatische deutsche Sprachlehre » (Stuttg. 1847; 2. Ausl 1854), «Mittellat.⸗ hochdeutsch-böhm. Wörterbuch» (Frankf. 1846), 4Glossarium latino-gexmanicum mediae et infimae aetatiso (Frankf. 1857), welches ein Supplement zu dem Werke des Ducange bildet; dessen Fortsetzung Novum Glossarium latino-germanicum mediae et infimae aetatis o (Frankf. 1867), „Hoch- und niederdeutsches Wörterbuchv, in Verbindung mit E. Wülcker (4 Bde., Frankf. 1874 f0. Außer zahlreichen zerstreuten wissenschaftlichen, kritischen und polit. Aufsätzen und religiösen, zum Teil den Deutschkatholizismus betreffenden Gelegenheitsschriften hat D. auch eine Reihe belletristischer Werke veröffentlicht. Dahin gehören: „(Gedichte v (2 Bde., Gieß. 1840—41), «Novellen v (2 Cyklen, Lpz. 1856—65) und mehrere Romane, wie «Die Aristokraten o (Frankf. 1843), 4Ein Pilurg und Eschenhofo (Frankf. 1851), «Der Vertauschtes (Lpz. 1858), Die Pfarrerskinderv (Frankf. 1867), «Margarete (Berl. 1868), «Arbeit macht freiz (Brem. 1873) und viele Novellen in Zeitschriften. D. legte 1876 seine Bibliothekarstelle nieder und siedelte nach Darmstadt über, wo er noch veröffentlichte: Völkerkunde Osteuropasy (2. Bde., Darmst. 1880) und «Der Zögling der Ursulinerinneno (Novelle, Darmst. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 323Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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