FeedGringore (Pierre)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Gringore (Pierre), beliebter franz. Dichter unter Ludwig XII. und Franz I., geb. zwischen 1475und 1480, machte sich, nachdem er frühzeitig die gelehrten Studien aufgegeben, zuerst durch allegorischmoralische Gedichte bekannt, denen mehrere satirische, politische und Gelegenheitsfarcen folgten. Er war 1502 — 20 Träger einer der Hauptrollen der Theatergesellschaft der Enfants sans souci in Paris, der Mère Sotte, und nahm wiederholt teil an der Abfassung und Aufführung pantomimischer Mysterien, die beim Einzug hochgestellter Personen in Paris vorgeführt wurden. Später trat er als Waffenherold in den Dienst des Herzogs von Lothringen, beschloß seine Dichterlaufbahn mit geistlichen Dichtungen und starb 1544. Von litterarhistor. Bedeutung ist er als Schöpfer des polit. Schauspiels in Frankreich, das er in den Dienst Ludwigs XII. stellte und in dem er mit derbem Spott dessen Feinde, das Papsttum, die Geistlichkeit, die Reformation und Gebrechen der Zeit verfolgte. Die bedeutendsten unter seinen Stücken sind: (Le jeu du prince des sotso (1511), La sotie de monde (1508) und Le mystère de St.-Louiso (um 1524). Seine «Oeuvreso wurden von Montaiglon und J. de Rothschild herausgegeben (2 Bde., Par. 1858—77). Pierre Gringoires in V. Hugos (Notre Dame de Pariso und in Ranvilles Schauspiel Gringoirer (deutsch von Paoli) sind freie und unhistor. Schöpfungen dieser Dichter. Vgl. Picot, «G. et les comédiens italienso (Par. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 428Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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