Griseldis heißt die Heldin einer 1373 verfaßten lat. Erzählung Petrarcas, die ihrerseits eine Nachbildung der letzten Novelle in Boccaccios Decameronep ist, wo der Name der Heldin aber Griselda lautet. Als Tochter eines armen Landmanns wird G. von dem Markgrafen Walther von Saluzzo zur Gemahlin gewählt, der dann ihren Gehorsam und ihre Demut auf die härtesten Proben stellt. Es ist in dieser Dichtung die Duldungsfähigkeit und Entsagung des liebenden Weibes in ihrem höchsten, ja übertriebenen Grade dargestellt. Durch übersetzungen ist die Petrarcasche G. seit Ende des 15. Jahrh. in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und andern Ländern Europas Bah beliebten Volksbuch geworden und zahlreiche Dichter haben den Stoff in epischer und dramatischer Form behandelt. Von epischen Behandlungen sind zu nennen die von Chaucer in seinen Canterbury tales v und die von Charles Perrault, La marquise de Salusse onu la patience de Griseldiso (1691), von dramatischen das 1395 verfaßte franz. Mystère de Griseldiso, die 1546 gedichtete Komödie von Hans Sachs Die geduldige und gehorsame Markgräfin Griseldar, die englische, 1599 von den drei Dichtern Th. Dekker, H. Chettle und W. Haughton verfaßte Comedie patient Grisilb und endlich das Drama «Griseldiso von Friedrich Halm (Münch-Bellinghausen), welcher den Stoff sehr frei behandelt und verändert hat. Vgl. den Artikel „Griseldas von R. Köhler in Ersch und Grubers Allgemeiner Encyklopädie der Wissenschafteno (Sekt. 1, Bd. 91, Lpz. 1871).