Groschen nannte man im Mittelalter alle dicken Münzen oder Pfennige, im Gegensatze der Hohlmünzen oder Bracteaten (s. d.). Nach der Meinung einiger entstand der Name aus dem lat. grossus. Andere leiten ihn von dem Kreuze (eros, oroix) hen welches auf den ältesten G. sich findet. Die ersten G. wurden im 13. Jahrh. in Böhmen und Sachsen nach der franz. Turnose (gros Tournois) geprägt. Sie waren von feinem Silber, und es gingen 60 auf die Mark. Im 16. Jahrh. wurde der G. allgemein in Deutschland verbreitet und nun ein allgemeiner Münzname, den man durch einen Beisatz näher bezeichnete; es gab Breite⸗, Spitz⸗, Marien⸗, Fürsten⸗, Engels⸗, Weiß⸗ und andere G., teils nach dem Gepräge, teils nach den Münzherren u. s. w. benannt. In der Münzkunde nannte man alle kleinern Silbermünzen unter ½ Reichsthaler G. und die Sammlungen derselben Groschenkabinette. Der G. als spätere deutsche im Werte von 12 Pfennigen war meist an der Bezeichnung seines Werts, 24 einen Reichsthaler, zu erkennen; der Konventionsgroschen wurde nach dem Konventionsfuße von 1763 ausgeprägt und mit 320 eine feine Mark bezeichnet. In Preußen trat an die Stelle des vorherigen G. zu ½ Thlr. 1821 der Silbergroschen zu ½ Thlr., welchen infolge der dresdener Münzkonvention vom 30. Juli 1838 mit 1841 auch die übrigen zu dieser Zeit dem Zollverein angehörigen norddeutschen Staaten annahmen; im Königreich Sachsen und in Sachsen-Altenburg wurde derselbe Neugroschen, in Sachsen-Gotha G. genannt. Das Herzogtum Oldenburg im engern Sinne nahm den Silbergroschen (½30 Thlr.) im Juni 1857, Braunschweig denselben mit 1. Jan. 1858, das frühere Königreich Hannover ihn mit 1. Okt. 1858 an; in allen diesen drei Staaten wurde er G. genannt. In Preußen u. s. w. hatte der Silbergroschen 12, in Sachsen und Sachsen-Altenburg der Neugroschen (Silbergroschen), wie in Hannover, Braunschweig und Sachsen-Gotha der ihm gleiche G. 10 Pfennige; in Oldenburg wurde der G. ½½%. in 12 Schwaren amiv geteilt. Mit der am 1. Jan. 1876 definitiv gewordenen Einführung der neuen Markwährung im ganzen Deutschen Reiche hörte die Rechnung nach G. auf und die entsprechenden Münzstücke wurden eingezogen. In Österreich-Ungarn war bis Ende Okt. 1858 der G. oder Kaisergroschen nur Silbercourantmünze zu 3 Kreuzern oder ½ Konventionsgulden; das Gröschel war daselbst eine Rechnungsstufe zu ½ G. oder 6 Kreuzern. In Polen war bis Ende 1841 der G. (Grosz) eine Kupfermünze. Der poln. Gulden hatte 30 G. (Groszy), sodaß der G. = 16 deutsche Reichspfennige war. Unter den französischen G. (gros) sind besonders durch ihre Stempel ausgezeichnet der gros ournois der Stadt Tours, der gros à la fleur de lys (Liliengroschen) und der gros à la couronne (Kronengroschen.)