Großfürst, Welikiknäs, war der ursprüngliche Titel der Herrscher Rußlands, welche ihren Sitz in Kiew hatten und als Alteste im Hause Ruriks eine Oberherrschaft über die Teilfürsten (udelnyje knäsja) ausübten. Als Ruriks Haus sich in mehrere selbständige Zweige geteilt hatte, nahmen die Altesten jeden Zweigs diesen Titel an, sodaß es verschiedene G. gab. Nach der Unterwerfung Rußlands unter die Mongolen verlegten die G. von Kiew ihren Sitz nach Wladimir. Die großfürstl. Würde hing von nun an von der Verleihung des Chans ab; von diesem haben die Fürsten von Moskau diesen Titel und zugleich die Oberherrschaft erhalten. In Litauen wurde dieser Titel eilfürsten gebraucht. Nach der Vereinigung Polens mit Litauen führten die Könige von Polen diesen Titel. Jetzt führt der Kaiser von Rußland den Titel eines G. von Finland, Litauen u. a. Dieser Titel kommt außerdem noch den Prinzen und Prinzessinnen des Kaiserhauses bis zum vierten Grade direkter Abstammung von einem Kaiser zu; die weitere Descendenz führt den Titel Prinz, Prinzessin kaiserl. Geblüts. Der Kaiser von Osterreich führt diesen Titel als G. von Siebenbürgen. drühmer, Gruppe der Hühnervögel bezirk Merseburg, südlich von 32.3 mit 500 E., nennen pflegt. lat. Graecia Magna oder Major) ist eine wahrscheinlich in Italien zur Zeit der höchsten Blüte der griech. Kolonien daselbst aufgekommene Bezeichnung des suüdl. Italien, soweit dasselbe von griech. Ansiedlern bewohnt war. Der Umfang und die Ausdehnung dieser Benennung (die von Schriftstellern zuerst Polybios und der sog. Skymnos von Chios gebraucht) ist ziemlich schwankend und wechselnd. Vorzugsweise und im engsten Sinne scheint man die am Tarentinischen Meerbusen und zunächst südlich und südwestlich davon gelegenen griech. Pflanzstädte Tarent, Metapont, Heraklea (am Siris), Sybaris, Kroton, Kaulonia, Lokri und Rhegion darunter verstanden zu haben. Dann werden aber auch die Städte an der Westküste, wie Neapolis, Kyme (Cumä), Poseidonia (Pästum) u. a., und überhaupt alle griech. Pflanzstädte des südl. Italien darunter begriffen; ja von einigen wurde die Bezeichnung sogar auch auf die griech. Kolonien auf Sicilien ausgedehnt. Die älteste unter diesen Kolonien war Kyme, dessen Gründung (von Euböa aus) um das Jahr 725 v. Chr. gesetzt wird. Von den übrigen sind die meisten seit der zweiten Hälfte des 8. Jahrh. v. Chr. gegründet worden, und zwar waren die Gründer teils Dorier von Sparta (Tarent), Korinth (Syrakus) und Megara (das sicil. Megara), teils Jonier von Euböa (außer dem schon erwähnten Kyme noch Neapolis, Dikäarchia, Rhegion, Naxos auf Sicilien u. a.), teils peloponnesische Achäer (Kroton, Sybaris, Metapont u. a.), teils ozolische Lokrer (Lokri). Nicht wenige dieser Pflanztädte gründeten ihrerseits wieder neue Ansiedelungen, wie eine beträchtliche Anzahl sicil. Städte von Syrakus, Poseidonia von Sybaris, Herakleia von Tarent, Kaulonia, Pandosia und Terina von Kroton begründet waren. Mehrere dieser Städte gelangten frühzeitig zu großer Macht und bedeutendem Reichtum, der in manchen arge üppigkeit und Schwelgerei hervorrief (Sybaris, Tarent). Die bildende Kunst stand in ihnen in hoher Blüte, wie außer dem Ruhme des Erzbildners Pythagoras von Rhegion die überreste der Tempel von Poseidonia und Metapont, sowie von Syrakus, Selinus und andern Städten auf Sicilien zeigen. Auch die italiotischen Münzen zeichneten sich durch Schönheit aus. In der Wissenschaft dagegen nehmen sie keine ansehnliche Stelle ein, jedoch gehört eine der bedeutendsten Erscheinungen der griech. Kulturgeschichte, der philos.polit. Bund der Pythagoräer, Unteritalien an. Abgesehen von Sicilien, sank die Kraft der Italioten seit der rohen Zerstörung von Sybaris (511 v. Chr.) durch Kroton. Seitdem würden allmählich die italischen Stämme der Sabellen auf sehr vielen Stellen des Griechentums Meister. Seit der Unterwerfung Unteritaliens durch die Römer (270 v. Chr.) drang mehr und mehr das röm. Element ein, doch erhielt sich daneben das griechische in Sprache und Sitte bis in die röm. Kaiserzeit, in Neapel noch bis auf Justinian I. Die byzant. Herrschaft gab bis zum 11. Jahrh. dem Griechentum in Apulien und Calabrien noch einmal einen, dann durch Araber und Normannen wieder verwischten Aufschwung. Vgl. Lenormant, «La Grande Grèce o (2 Bde., Par. 1881).