Grossi (Tommaso), ital. Dichter der romantischen Schule, geb. zu Bellano am Comersee 20.Jan. 1791, erhielt seine erste Erziehung bei einem Oheim, welcher Priester in Treviso war, ihn für das geistliche Amt bestimmte und 1799 in das bischöfl. Seminar zu Castello bei Lecco schickte. Im J. 1803 entfloh er bei Nacht aus dem Seminar, wurde zwar dorthin zurückgebracht, verließ es jedoch 1804 wieder, um sich in Mailand und Pavia dem Studium der Rechtswissenschaft zu widmen. Nach Vollendung seiner Studien arbeitete er auf dem Bureau des Advokaten Capretti in Mailand und begann sodann 1818 selbständig die Advokatur auszuüben. Als 1819 die Zahl der Advokaten beschränkt wurde, sollte G. als Schreiber bei der Präfektur angestellt werden, entsagte aber dieser Stelle, am sich ganz der Litteratur zu widmen. Der Ruhm, zu welchem der mailändische Dialektdichter Carlo Porta gestiegen war, veranlaßte G., in der «Prineide, der Pioggia d'oroo, der Fuggitiva v u. s. w. in gleichem Genre sich zu versuchen. Mit Porta schrieb er das dramatische Gedicht 4Giovanni Maria Visconti, duca di Milanos (neueste Ausg., Mail. 1882). Nach Portas Tode begann G. in ital. Schriftsprache zu dichten. Seinen Ruhm begründete er mit der Novelle IIdegonda (Mail. 1820), in Ottave rime, ein glänzendes Gemälde aus dem Ritter- und Klosterleben. Es folgten «I Lombardi alla prima Crociata v (3 Bde., Mail. 1826), ein Heldengedicht in 15 Gesängen, das hinter dem vorigen weit zurücksteht. Mehr Anklang fanden sein Marco Viscontiz (Mail. 1834; neueste Aufl., Flor. 1881), ein histor. Roman im Stile Manzonis, und seine Novelle in Versen Ulrico e Lidao (Mail. 1834). Im J. 1838 verehelichte er sich mit Giovannina Alfieri, gab die litterarische Thätigkeit vollständig auf und lebte fortan als Notar und Advokat zu Mailand, bekleidete mehrere Ehrenämter und starh daselbst 10. Dez. 1853. Gesamtausgaben seiner Werke erschienen zu Neapel (1855) und am vorzüglichsten in einer illustrierten, von P. A. Curti besorgten Prachtausgabe zu Mailand (2 Bde., 1862). Vgl. Cantu, «Vita ed opere di Tommaso 6.v (Mail. 1854); Curti, Tommaso G.v (Mail. 1862).