FeedGrubengas
NaturlehreBrockhaus 1882

Grubengas, eine allgemeine Bezeichnung für das in Bergwerken vorkommende leichte Kohlenwasserstoffgas, welches vielfach in Kohlengruben durch Einwirkung von Wasser auf den Kohlenstoff der Kohlen, besonders der Steinkohlen, entsteht. Man findet auch die Benennungen: leichtes Kohlenwasserstoffgas (im Gegensatz zu dem schweren ölbildenden Kohlenwasserstoffgas), Wasserstoffsubcarburet, gekohlten Wasserstoff, Methylwasserstoffgas. In franz. und engl. Werken wird es bezeichnet als gas hydrogène carburé, gas hydrogène protocar. buré, gas des marais; pitgas, light carburetted hydrogen. Es ist ein farb⸗ und geruchloses Gas, das mit andern Körpern nicht direkt Verbindungen eingeht. Sein spezifisches Gewicht ist ,5580. Berzelius betrachtete es als einfache Verbindung von 1quivalent Kohlenstoff mit 2Aquivalenten Wasserstoff. Von dieser Ansicht ging man aber bald ab, und das G. wird jetzt allgemein als die Wasserstoffvöverbindung des Mih um Radikals Methyl ½ H, behandelt. Mit ihm in der Zusammensetzung und dem chem. Verhalten identisch ist das auf dem schlammigen Boden der Sümpfe durch Verwesung der daselbst befindlichen organischen Substanzen, besonders der Pflanzenüberreste, vorkommende Gas, das aber zur Unterscheidung von dem in den Steinkohlengruben vorkommenden Gas als Sumpfgas bezeichnet wird. Die künstliche Bildung des G. ist unter anderm auch ein konstantes Produkt der trockenen Destillation von Holz, Torf und Steinkohle, und macht nebst Wasserstoff den Hauptbestandteil des Leuchtgases. (S. Gasbeleuchtung.) Die G., welche sich in den Kohlenbergwerken entwickeln, ihren Sitz vornehmlich in den Kohlenflötzen oder bituminösen Schiefern haben, in die Abbauörter und Stollen der Tiefbaue (. Grubenbau), also in Teile, die von der Oberfläche mehr isoliert sind, eindringen, verursachen, in bestimmten Verhältnissen mit atmosphärischer Luft che mit⸗ die bekannten gefährlichen Gemenge, welche mit dem Namen Schlagende Wetter (s.d.) bezeichnet werden. Sie sammeln sich oft in so beträchtlicher Menge an und sind nicht selten so stark in den Spaltenräumen der Kohlenlager komprimiert, daß sie mit Gewalt hervordringen und sich Bahn brechen, wenn die Grubenarbeiter beim Abbau solchen Räumen zu nahe kommen. Sie bewirken, durch die Grubenlichter der Arbeiter entzündet, die furchtbarsten Erplosionen und Zerstörungen. Gewöhnlich wird die Mehrzahl der Bergleute durch die infolge der Verbrennung unatembar gewordenen Wetter erstickt. Die hohe Temperatur, welche sich plötzlich erzeugt, erteilt den Gasen augenblicklich fast das doppelte Volum; jedes Hindernis wird mit Heftigkeit zerstört, Zimmerung, Wetterthüren, Strecken⸗ und Schachtscheider, sogar die Schachtgebäude über Tage werden hinweggeschleudert, der Wetterzug gänzlich gehemmt; die Flamme verbrennt die Arbeiter auf die fürchterlichste Weise und verursacht zuweilen sogar Grubenbrand. Für sich allein verbrennt das Gas ruhig mit blauer Flamme und wirkt nur erplodierend bei der Mengung mit dem sechsfachen Volum atmosphärischer Luft, am heftigsten bei dem achtfachen, und verliert wieder diese Eigenschaft bei größern Quantitäten Luft. Der Sauerstoff der letztern verbindet sich mit dem Kohlen- und Wasserstoff, wodurch Kohlensäure, Wasserdampf und Stickstoff, unter Umständen auch Kohlenoxydgas resultieren, welche Gase als unatembar die Wirkungen der Explosion bedeutend verschlimmern. Die Zahl der durch Schlagende Wetter und Explosion tödlich Verunglückten ist immerhin eine beträchtliche, und obschon gerade nach dieser Richtung hin zu Vermeidung derartiger Verunglückungen namentlich seit neuester Zeit den Schlagwettern die größte Aufmerksamkeit geschenkt wird, so hat sich doch eine prozentale Abnahme solcher Verunglückungen nicht konstatieren lassen. Im J. 1878 betrug die Zahl der tödlich Verunglückten allein in England 595 Mann. Die Mittel zur Abwendung der Gasentwickelung sind: eine Zerklüftung der Kohle möglichst 15 vermeiden; die Oberfläche der bloßgelegten Flötzteile auf ein Minimum zu beschränken; den Abbau möglichst zu konzentrieren und rein zu führen, damit kein Kohlenklein in den abgebauten, durch Mauerwerk abzusperrenden Räumen zurückbleibe. Ein Hauptmittel ist stets die sofortige Abführung und hinreichende Vermischung der entstandenen Gase mit Luft; die Verteilung der Wetter auf die verschiedenen einzelnen Baue durch Thüren, Dämme, Wetterlutten, durch Gebläsemaschinen undCentrifugalventilatoren. Vorteilhaft ist es auch, den Wetterschacht in Mitte des Abbaufeldes zu legen, um so den Wetterstrom die kürzesten Wege gehen zu lassen. (Vgl. Bergbau, Bd. II, S. 8076.) Die Davysche Sicherheitslampe (s. d.) mit ihren Verbesserungen nach Müseler, Combes, Morison u. a. ist eine möglichst bewährte Vorsichtsmaßregel in von Schlagenden Wettern heimgesuchten Gruben. Das Auftreten von Kohlenwasserstoffen ist auch, wenngleich nur in eringem Maße, beim Steinsalzbergbau, 3. B. in ieliczka, Staßfurt u. a. beobachtet; allein es ist bis jetzt unentschieden, ob dasselbe mit dem G. identisch ist. Selten und nur ausnahmsweise ist das G. auf Braunkohlengruben bemerkt worden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 549Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

In anderen Lexika 1

Alle Lexika nebeneinander →

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Naturlehre 6