Guauchen hießen die Urbewohner der Canarischen Inseln (s. d.), welche bei deren Besitznahme durch die Spanier im 15. Jahrh. vorgefunden wurden und von diesen als ein friedliches, aber tapferes Hirtenvolk von großer Milde der Sitten, einsichtsvoll und gastfrei geschildert werden. Die G. waren von hohem, wohlproportioniertem Körperbau und olivenfarbiger Haut, hatten lebhafte Augen und glattes, langes Seidenhaar. Ihre Kulturzustände zeigten sich auf den vers Hhredenen Inseln sehr verschieden. Am niedrigsten standen die Bewohner von Gomera und Palma, die ganz nackt gingen, in Höhlen wohnten und sich nur von Wurzeln und Ziegenmilch nährten. Die — gesellige Entwickelung fanden die Spanier auf Gran Canaria vor, wo es 2 Hauptstädte und 33 Ortschaften gab und zwei Staaten bestanden, die sich gegenseitig befehdeten. Die Totenbestattung der G. war jener der alten Agypter ähnlich, die Mumien der Vornehmen wurden aufrecht sitzend in gemauerten Gräbern oder Höhlen beigesetzt. Die Sprache war, wie die erhaltenen Reste bekunden, ein Dialekt des Berberischen, daher die G. vom linguistisch-ethnogr. Standpunkte dem Stamme der Hamiten (s. d.) beizuzählen sind. F. von Löher sucht in den G., gestützt auf eine Reihe von Eigennamen und sozialen Einrichtungen, ein aus dem einheimischen Berberstamme und vom Festlande nach den Inseln geflüchteten Vandalen entstandenes Mischvolk. Obgleich die G. nur mit Hilfe von Fahrzeugen vom Festlande auf die Inseln gelangt sein konnten, besaßen sie doch bei Ankunft der Spanier weder Kähne, noch kannten sie das Eisen. Auch die verschiedenen Inseln hatten die Verbindung miteinander verloren. Von den Spaniern wurden die G. nur nach harten Kämpfen unterworfen, aber keineswegs ausgerottet. Sie vermischten sich mit den einwandernden Spaniern und gaben ihre Sprache auf, sodaß im 17. Jahrh. nur noch in einzelnen abgelegenen Thälern unvermischte Reste dieses Volks vorhanden waren, wie z. B. bei Guimar auf Teneriffa. Mit Anfang des 18. Jahrh. verschwand die Sprache vollständig; dagegen hat sich der Typus der G. in Gomera und an der Südküste von Teneriffa noch ziemlich rein erhalten. Vgl. Löher, MNach den glücklichen Inselno (Bielefeld 1876). Guanin, C, H, N. O, ist eine der Verbindungen, welche bei der regressiven Stoffmetamorphose im Tierkörper gebildet und zwischen dem Eiweiß und dessen letztem Zerfallprodukt, dem Harnstoff, stehen. Es bildet mit dem Xanthin und dem Sarkin eine Gruppe von nahe verwandten Körpern. Es ist zuerst im Guano entdeckt und nach diesem benannt, dann aber auch in verschiedenen Organen des Tierkörpers, im Pankreas, in der Fleischflüssigkeit u. s. w. nachgewiesen worden. In einer besondern Krankheitsform der Schweine, der Guaningicht, sammelt es sich in größern Konkretionen im Fleisch derselben an. G. verbindet sich sowohl mit Säuren, wie mit Basen, wie auch mit Salzen zu krystallisierenden Salzen. Durch Einwirkung von Salzsäure und chlorsaurem Kali wird es in Parabansäure C3 H-Z Na O3, die in naher Beziehung zur Harnsäure steht, und in Guanidin (CIU, Na, eine dem Harnstoff nahe verwandte starke Base, verwandelt. Guano oder Huano (span.), wertvolles Düngmittel, welches wesentlich aus den mehr oder weniger zersetzten Exkrementen von Wasservögeln besteht und teils auf Inseln, teils an den Ufern des Festlandes der regenlosen Zone in Südamerika, Peru, sich findet. Sein Vorkommen und seine in dortigen Gegenden seit alters übliche Verwendung ist bereits in dem 1604 erschienenen Werk «„Commentarios reales o von Garcilaso de la Vega erwähnt; 1802 besuchte Alex. von Humboldt die merkwürdigen Fundstellen auf den Chincha-Inseln (s. d.) und brachte die ersten Proben dieses Materials nach Europa. Im J. 1840 kam die erste Schiffsladung G. nach Liverpool. Die erstaunlichen Erfolge, welche sich bei der Anwendung dieses neuen Dungstoffs kundgaben, riefen bald eine allgemeine Nachfrage hervor, wodurch ein bedeutender Geschäftszweig entstand, an dessen Ausbeutung namentlich englische und hamburger Kaufleute und Reeder beteiligt waren. Die früher kaum gekannten Eilande der Westküste Perus wurden der Sammelplatz einer Flotte von Kauffahrteischiffen, welche die dort während vieler Jahrhunderte abgelagerten Massen fortführten zur Befruchtung der europ. Felder. Leider sind die Vorräte nicht so groß gewesen, um nicht durch den sich immer steigernden Bedarf bald erschöpft zu werden. Die Chincha-Inseln sind vollständig abgeräumt, von dort stammender G. findet sich jetzt nur noch als Rarität in Sammlungen aufbewahrt. In neuerer Zeit sind noch Guanolager auf Punta de Lobos und Pabellon de Pica und an einigen andern Stellen entdeckt, aber diese Fundstellen sind von Paodußk nehr in geringer Mächtigkeit, und das Produkt steht in seiner Qualität dem früher von den Chine a-Inseln verschifften weit nach. Der G. der C bestand durchschnittlich zu zwei Dritteln seines Gewichts aus stickstoffhaltiger organischer Substanz, harnsaurem, oxalsaurem Ammoniak u. s. w. und enthielt 13 —14 Proz. Stickstoff, der Rest war vorwiegend pbosphprfaurer dalk. Da die organische Substanz leicht in Wasser löslich ist und daher von jedem Regenguß ausgewaschen und fortgeführt wird, so ist die dauernde Erhaltung eines unveränderten G. auch nur auf einen verhältnismäßig kleinen Raum der Erde beschränkt, nämlich auf die regenlose Zone, da an allen übrigen Orten sehr bald eine wesentliche Wertverminderung der dort abgelagerten Massen durch Auswaschen ihrer löslichen Bestandteile eintreten muß. Dem entsprechend hat man trotz eifrigsten Forschens bisher keine neuen Lager von irgend welcher Erbeblichteit entdecken können. Wohl sind an verschiedenen Stellen des Oceans guanoähnliche Massen aufgefunden und als Baker⸗„Mejillones⸗, Jarvis⸗„Ischaboe-, Avesguano benannt, aber alle diese unterscheiden sich von dem Peruguano durch die Abwesenheit des Stickstoffs, der jenem seinen größten Wert verlieh. Diese, auch phosphatische G. genannt, bestehen ihrer Hauptmenge nach aus Il Dunger ii Kalk, ihre unmittelbare Wirkung als Dünger ist sehr gering, weil der in ihnen enthaltene phosphorsaure Kalk wegen seiner Unlöslichkeit im Boden nicht zur Wirkung kommt, sie sind dagegen vorzügliche Rohmaterialien zur Anfertigung der sog. Superphosphate (s. d.). Der Peruguano bildet eine gelbbraune, erdige, mit gröbern und kleinern harten Klumpen durchsetzte Masse, der außerdem nicht selten Steine und sonstige fremde Materien beigemengt sind. Wegen dieser Beschaffenheit kann der G. nicht ohne weiteres als Dünger auf das Feld gebracht werden, sondern muß durch Sieben und Zerkleinern der Stücke vorher in ein gleichmäßiges Pulver verwandelt werden. Dieser höchst lästigen Operation sind die Landwirte überhoben durch die von den Importeuren des G., Ohlendorff u. Comp. in Hamburg, bewirkte Fabrikation des sog. aufgeschlossenen Guano. Es hat sich letzteres Produkt einer so allgemeinen Anerkennung zu erfreuen, daß seit Mitte der sechziger Jahre kaum noch unvorbereiteter G. verwendet worden ist. Der aufgeschlossene G. wird erhalten, indem der echte Peruguano mittels Desintegratoren zerkleinert und mit konzentrierter Schwefelsäure in bestimmtem Verhältnis gemischt wird, wobei unter lebhafter Erhitzung eine breiige, beim Erkalten erstarrende Masse entsteht, die dann von neuem fein zerkleinert wird. Der Zusatz von Schwefelsäure wird gemacht, um den im G. enthaltenen unlöslichen phosphorsauren Kalk in eine lösliche Verbindung zu verwandeln und um vorhandene Ammoniaksalze vor Verflüchtigung zu schützen. Der aufgeschlossene G. ist nicht mit mancherlei Kunstprodukten zu verwechseln, die meist in betrügerischer Absicht unter der Bezeichnung G. in den Handel gebracht werden. Vgl. Stöckhardt, «Guanobüchlein » (Lpz. 1853); Meyn, «Die richtige Würdigung des Peruguano (Halle 1872).