Guérin (Pierre Narcisse, Baron), franz. Historienmaler, geb. in Paris 13. Mai 1774, der vorzüglichste unter den Schülern Regnaults. Großen Erfolg hatten schon seine Erstlingswerke: die Ermordung des Geta, das Opfer des Äskulap und der Tod Catos, wofür er 1797 den Preis erhielt. Es folgte der Coriolan, dann sein Marcus Sertus, welcher, vor der Proskription des Sulla geflohen, bei seiner Heimkehr Gattin und Tochter ermordet findet. Durch die Wahl dieses mit tragischer Würde behandelten Gegenstandes erregte G. den großartigsten Beifall. Die Kollegen krönten das Gemälde bei einem Gastmahle mit Lorbeer. Im J. 1802 schuf er ein zweites großes Gemälde, Phädra und Hippolytes, dessen unwahres Kolorit jedoch die Anerkennung beeinträchtigte. Nun begab sich G. als Staatspensionär nach Rom, kehrte aber Ende 1805 zurück und entwarf eine Reihe Kompositionen zur Verherrlichung Napoleons, wozu ihm die Regierung den Auftrag erteilte. Hierauf ging er nach Rom zurück, wo er die Leitung der Académie française übernahm und 16. Juli 1833 starb. Eine Anzahl seiner Kompositionen behandeln idyllische Stoffe im antikisierenden, großen Stile, wozu ihm nicht selten Geßners Dichtungen das Motiv lieferten. Hierher gehören die Hirten an dem röm. Grabmale. Im J. 1824 wurde er baronisiert. Von seinen zahlreichen Bildern sind noch besonders zu erwähnen: Aneas erzählt der Dido seine Schicksale, die Ermordung Agamemnons (beide in der Galerie des Luxembourg), der Tod des Priamos vor dem brennenden Troja, Aurora und Kephalos, endlich einige Porträts. G. ist einer der größten Historienmaler seiner Zeit, in der ihn jedoch David übertraf. Im Pathos ernst und groß bis zur Kälte, verfügt er über größere technische Gewandtheit als die meisten seiner Zeitgenossen.