FeedIdylle
Bildende KunstBrockhaus 1882

Idylle (grch. edνεον, d. i. ein kleines Bild) nennt man die dichterische Darstellung Meupatriarchalischer Lebenszustände. Je mehr die Menschen von dem Naturleben und der Sitteneinfalt der frühesten Zeiten sich entfernten und je stärker der Gegensatz der beengenden Verhältnisse der bürgerlichen Konvenienz hervortrat, um so sehnsüchtiger mußten sie auf das ursprüngliche Naturleben als ein verlorenes ideales Dasein, als ein Leben voll Einfalt und Ruhe zurückblicken, das in der Befriedigung der einfachsten Bedürfnisse Glück und Genüge fand. In der That gehört daher die J., als eigentümliche Dichtform, überall einer solchen Zeit an, in welcher das einfache Naturleben der Wirklichkeit gegenüber als ein idealer Zustand bereits in eine poetische Ferne zurückgetreten war. Darum wählten die Idyllendichter von jeher am liebsten Menschen, Scenen und Vorgänge des ländlichen Daseins, insbesondere des Hirten⸗, Schäfer⸗, Fischer- und Jägerlebens, zu ihren Gemälden, und namentlich gab das harmlose Hirtenleben der alten Völker mit dem Ideal eines Goldenen Zeitalters oder einer Unschuldswelt zu solchen Schilderungen reichen Stoff. Diese Hirtendichtungen werden auch (vom rch. Boνcνοεe, Rinderhirt) als Bukolische Poef ie bezeichnet. Die ersten Spuren dieser Dichtgattung findet man im Orient, nur daß sie hier noch nicht als für sich bestehende Gattung ausgeprägt ist, sondern bald mehr als Erzählung, wie das Buch Ruth, bald wie Kalidasas 4Sakuntala v mehr als Drama mit idyllischem Charakter erscheint. Auch bei den Griechen war sie anfangs mehr epischer Art, doch schon mit Beimischung eines lyrischen Elements, wie bei Stesichorus, welcher die Leiden des Daphnis zum Gegenstand wählte. Als selbständige Gattung tritt bei 36100 die J. erst zu Anfang des alexandrinischen Zeitalters mit Theokrit auf, der in sorgfältig ausgeführten Bildern vorzugsweise das Naturleben sicil. Hirten zur Anschauung bringt. Ihm schließen sich Bion und Moschus an. Unter den röm. Dichtern nimmt Virgil die erste Stelle ein. Aus der Nachahmung Virgils entsprang die J. der ital. Renaissancedichtung, die dialogische Form entwickelte sich zur dramatischen, zum Schäferspiel (Pastorale) von Tasso, Guarini, Sannazaro, Alamanni. Und dieses Schäferspiel wanderte nach Spanien, Frankreich, Deutschland und England, mit kokettem Raffinement das naiv Anmutige in das widerlich Affektierte und süßlich Sentimentale verzerrend. Diese Unnatur hat fast zwei Jahrhunderte geherrscht, bis die neu erstehende Blüte der deutschen Litteratur eine kräftige Reaktion brachte. Während Salomon Geßner noch ganz in der alten verzopft-sentimentalen 2 & wurzelt, führte der offene Sinn der sog. Sturm- und Drangperiode für das Volkstümliche und Ursprüngliche wieder zurück zum naiv Gesunden, naturwirklich Wahren. Die Wendung wird besonders durch die pfälzer J. des Maler Müller bezeichnet; Voß in seiner „Luisev und in seinen andern J. und besonders Goethe in Alexis und Doray und dem klassisch vollendeten, idyllischen Epos (Hermann und Dorotheap wußte diese J. sogar auf die Höhe echt antiker Formenhoheit zu heben. In neuerer Zeit hat die J. besonders nach zwei Seiten hin eine wesentliche Umbildung erfahren. Einerseits eine Steigerung nach dem Volkstümlichen durch Aufnahme der Lokalfarbe des Volksdialekts; der Begründer dieser Richtung ist Hebel mit seinen Alamannischen Gedichteno und seinem «Rheinischen Schatzkästlein ». Andererseits eine Steigerung nach dem konfliktvoll handelnden Leben, welches das Gebiet des Romans und Dramas ist; der Begründer dieser Richtung ist Immermann in seinem ⸗Münchhauseno und dann besonders Auerbach. I. e., Abkürzung 2 Id est (I. d.). J‚. ve (Irland), s. Hibernia. f, vollständig: L'ile du chäteau d'If, ist im franz. Depart. Bouches du Rhöne die im Westen des Hafens von Marseille 2km von der Küste, neben den Inseln Pomêgue und Ratonneau gelegene, durch Franz I. befestigte Felsinsel, welche auch durch Alexandre Dumas' Roman «Monte-Christo bekannt ist. Auf dem dort durch Franz I. erbauten Schlosse, das ehemals Staatsgefängnis war, zeigt man das Zimmer, in welchem Mirabeau 1774 gefangen saß. (S. Pverdon.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 530Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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