Guillochieren (frz. guillocher; engl. guilloshing, tracing rose-engine patterns) heißt ein Verfahren, mittels dessen man Gegenstände aus Metall, Elfenbein, Holz u. s. w., um dieselben zu verzieren, oder aus anderm Grunde mit Gravierungen versieht, bestehend aus geraden oder krummen Linien, die mit großer Genauigkeit und Regelmäßigkeit in bestimmte ebene oder gebogene Flächen des betreffenden Körpers mittels scharfer Spitzen eingeritzt werden. Die Herstellung solcher Zeichnungen wird heute ausschließlich mittels Maschinen ausgeführt, die im allgemeinen Guillochiermaschinen genannt werden, für besondere Fälle jedoch verschiedene Namen erhalten. So bedient man sich zur Ausführung gerader Guillochierungen, um regelmäßige Vierecke zu verzeichnen, der sog. Carré-Maschine. Für andere einfache Zeichnungen, wie solche im Maschinenbau gelegentlich vorkommen, genügt die Anwendung einfacher Drehbänke, mit welchen man durch passend gewählte gegenseitige Lage, Abstände und Durchmesser einer Anzahl von Kreisen auf höchst einfache Weise zierliche Zeichnungen (s. vorstehende Fig. 1 u. 2) hervorbringen kann. Bedeutend größere Variationen und mehr verschlungene Linien läßt die Einschaltung eines Ovalwerks oder in noch höherm Grade die Anwendung sog. Universaldrehbänke zu. Zur Herstellung ganz feiner Arbeiten, beispielsweise der Druckplatten und Walzen für Wertpapiere und Zeugdruck, bedarf man besonderer Guillochiermaschinen. Im Prinzip bestehen diese, wie jede andere Werkzeugmaschine, aus einem Teil zur Aufnahme des Arbeitsstücks und einem solchen für das Werkzeug, welches bei Guillochiermaschinen aus Stahl, für bne Gravierungen wohl auch in einem Diamant besteht. Die beabsichtigte Bearbeitung des Werkstücks erfolgt entweder durch alleinige Bewegung desselben gegen das Werkzeug oder des Werkzeugs gegen das Arbeitsstück, oder aber durch die gleichzeitige Bewegung beider gegeneinander, je nach der mehr oder minder komplizierten Art der Zeichnung. In den Mechanismus zur übertragung der Antriebsbewegung auf das Werkzeug sind sog. Patronen eingeschaltet, meist stählerne oder bronzene Scheiben, deren Ränder nach Figuren geschweift sind, die den zu erzeugenden Figuren geometrisch ähnlich sind. Diese Figuren werden durch einen Stift, Anlauf oder Taster, der gegen den Rand einer solchen Patrone schleift, durch entspre-Wertz Hebelübersetzungen und durch die Spitze des erkzeugs auf das Arbeitsstück übertragen. Unregelmäßige Figuren, wie man sie als bildliche Darstellungen auf Dosen, Uhrgehäusen, Medaillen und Münzen u. s. w. findet, werden durch Guillochieren hergestellt, indem man in den Mechanismus eine Vorrichtung einschaltet, die eine geradlinige Hin⸗ und Hebbemegang des Arbeitsstücks veranaßt, während die Patrone die Entstehung der ersorderlichen Kurven bewirkt, derart, daß die vertikalen Bewegungen eines Tasters, der über einen erhabenen Gegenstand (Medaille, Reliefplatte) als Patrone schleift, in horizontale Schwingungen der zeichnenden Stahl⸗ oder Diamantspitze umgesetzt werden. Dabei erfolgen die Bewegungen von Arbeitsstück und Zeichenstift gegeneinander in der Weise, daß jede der erzeugten Linien nahe an die andere zu liegen kommt, wodurch eine um so genauere Kopie der Patrone entsteht, je kleiner die Linienabstände werden. Solchen Maschinen gibt man auch wohl den Namen Relief-Guillochiermaschinen oder Pantographen.