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GeschichteBrockhaus 1882

Guise, 4l1 868. herzogl. Familie in Frankreich, ein Nebenzweig des Hauses Lothringen. Claude, ein jüngerer Sohn des Herzogs René II. von Lothringen, geb. 20. Okt. 1496, ließ sich 1506 in Frankreich naturalisieren und heiratete 1513 Antoinette von Bourbon, die Tochter des Grafen Francois von Vendome. Er war Besitzer von Aumale, Guise, Joinville, Elbeuf und Mayenne nebst vielen andern Gütern in der Picardie und Normandie. Zu seinen Waoal. P wurde 1527 die Grafschaft G. in eine herzogl. Pairie verwandelt. Er starb 12. April 1550 und hinterließ fünf Töchter, von denen die älteste, Maria, durch ihre Vermählung mit König Jakob V. von Schottland die Mutter der Maria Stuart wurde, und sechs Söhne, Francois, Herzog von Guise (s. d.), der des Vaters Würden erbte, Charles, Louis, Claude, Francois und René. Charles, Kardinal und Erzbischof von Rheims, gewöhnlich Kardinal von Lothringen genannt, geb. I. Febr. 1525, gest. 26. Dez. 1574, ein großer Feind der Protestanten, beherrschte mit seinem Karl IX. den Hof. Auch Louis, gewöhnlich Kardinal von G. genannt, geb. 21. Okt. 1527, gest. 28. März 1578, spielte in den Wirren dieser Zeit eine große Rolle. Claude, Herzog von Aumale, der Stifter dieser Nebenlinie, wurde 1573 bei Rochelle getötet. Frangois, Malteser und General der Galeeren, sarb 1563 nach der Schlacht von Dreux. René, Marquis von Elbeuf, der Stifter dieser Nebenlinie, ebenfalls General der Galeeren, starb 1566. Der ehrsüchtige Charakter der Brüder machte schon König Franz J. so besorgt, daß er auf dem Sterbebette seinem Sohne ihre Demütigung empfahl. Mit der Thronbesteigung des schwachen Franz II., des Gemahls der Maria Stuart, gelang es dem Herzog von G. und dem Kardinal von Lothringen, sich der Staatsverwaltung zu bemächtigen. Selbst die ränkesüchtige Königin-Mutter, Katharina von Medici, mußte auf ihre Seite treten. Die kath. Politik erhielt dadurch den vollständigsten Sieg, und die dem Protestantismus zugeneigten Prinzen von Geblüt, die Bourbons, wurden samt dem Admiral Coligny alles Einflusses auf Hof und Regierung beraubt. Der Herzog Frangois von G. hinterließ drei Söhne, Henri, Louis und Charles, und eine Tochter, Katharina Maria, die Gemahlin des Herzogs Louis von Bourbon-Montpensier, die an den liguistischen Händeln großen Anteil nahm. Henri J., Herzog von Guise (s. der Erbe der Würden des Vaters, wurde auf Befehl Heinrichs III. 1588 zu Blois ermordet. Louis, Kardinal von Lothringen und Erzbischof von Rheims, der eifrigste Beförderer der Ligue, erlitt 24. Dez. 1588 das Schicksal seines Bruders. Charles, Herzog von Mayenne, der Stifter dieser Linie, der hierauf die Führung der Partei übernahm, starb 4. Okt. 1611. Unter den Nachkommen des Herzogs Henri I. zeichneten sich aus: Charles, der die Würden des Vaters erbte und 1640 in Italien, von Richelieu verbannt, starb, und Claude, Herzog von Chevreuse, gest. 1657, besonders bekannt durch seine Gemahlin, Maria von Rohan-Montbaz, die Witwe des Conneétable de Luynes, R 1679. — Von den Söhnen des Herzogs Charles erhielt der zweite, Henri II., Herzog von Guise (s. d.), das Erbe des Vaters. Er setzte seinen Neffen, Louis Joseph, Herzog von G., Joyeuse und Angouléme, zum Erben ein, mit dessen Sohne, Frangois Joseph, 16. März 1675 die unmittelbare Linie der Herzöge von G. aus dem Hause Lothringen erlosch. Die Erbschaft der G. kam an die Condé, als die nächsten einheimischen Agnaten. Vgl. Bouillé, Histoire des ducs de G.o (4 Bde., Par. 1850).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 610Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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