Gülle, Bezeichnung für flüssigen, namentlich Rindviehdünger, welcher aus dem Gemisch von Urin mit den festen Exkrementen und entsprechender Verdünnung mit Wasser besteht. Letztere werden zu diesem Zwecke entweder ausgeschüttelt oder, wo gar kein Stroh benutzt wird, direkt in die Jaucherube gebracht. Die Düngung mit G. ist namentich in England üblich, wo besondere Röhrenleitungen den Transport der G. vom Hofe auf den gegenden, wo der Mangel an Stroh die Verwendung dieses Aufsaugemittels ausschließt. Die G. wirkt namentlich für Futter⸗ und Wurzelpflanzen, sowie für Weiden günstig, während dieselbe für Körnerfrüchte weniger geignet ist; es wird dadurch mehr das Blatt⸗ und Stroh⸗, als das Körnerwachstum gefördert. In einigen Gegenden nennt man G. auch die über den Stalldung geleitete Jauche, welche dabei einen Teil der löslichen Substanzen desselben aufgenommen hat. Die Zusammensetzung der G. ist je nach dem Futter, der Tierart u. s. w. eine sehr wechselnde; im Mittel enthält die unverdünnte G. auf 1000 Teile: 982 Wasser,‚ 18 feste Stoffe; in letztern 7organische Substanz, 1, Stickstoff, O,9 Phosphorsäure, 5 Kali, 1,0 Natron, 0,5 Kalk u. s. w. Vgl. Hartstein, Die flüssige Dün-Runer (Bonn 1859); E. Wolff, Praktische Düngerehre (9. Aufl., Berl. 1883).