FeedGerbsäure
NaturlehreBrockhaus 1882

Gerbsäure, Galläpfelgerbsäure, Tannin, Digallussäure (HI006, eine der im Pflanzenreich vielfach verbreiteten Gerbsäuren (s. d.), welche sich in größerer Menge (50—60 Proz.) in den Galläpfeln findet. Nach frühern Untersuchungen betrachtete man die G. in den Galläpfeln als eine Glukosid. Diese Annahme ist jedoch hinfällig geworden, nachdem erkannt ist, daß der in dem Tannin des Handels sich vielfach findende Traubenzucker nur mechanisch beigemengt ist und durch das bei der Extraktion angewandte Darstellungsverfahren in das Präparat gelangt, während bei einer verbesserten Bereitungsmethode die G. ohne jeden Zuckergehalt u gewinnen ist. Zur Apfelrnreh einer von Zucker sreten G. werden Galläpfel mit einem Gemisch von 95 Teilen wasserfreiem Ather und 5 Teilen Alkohol völlig erschöpft und die Flüssigkeit mit dem dritten Teil ihres Volums Wasser kräftig durchschüttelt, wodurch die G. der ätherisch-altoholischen Flüssigkeit entzogen und in das Wasser übergeführt wird, während fremde Stoffe, wie Fett, Harz u. dgl., in der ätherischen Lösung verbleiben. Die am Boden sich sammelnde wässerige Flüssigkeit wird von dem sie überschichtenden Ather getrennt, im Wasserbade ur Trockne verdampft und der ganz ausgetrocknete ückstand zerrieben. Die so dargestellte G. ist ein weißes oder gelblich gefärbtes Pulver von säuerlichem, stark zusammeniehendem Geschmack, in Wasser leicht, schwerer in lkohol löslich, in wasser⸗ und alkoholfreiem Äther unlöslich, ferner unlöslich in Petroleumäther und Benzin, dagegen löslich in Glycerin. Ihre wässerige Löfung mit einer neutralen Lösung von Eisenoxydsalzen gemischt gibt eine blauschwarze Färbung (Tinte), die auf Zusatz von Säuren verschwindet; auf Zusatz von Brechweinstein gibt sie einen weißen Niederschlag; sie verbindet sich mit fast allen Alkaloiden zu in Wasser unlöslichen Niederschlägen, die aber in Säuren leicht löslich sind. Eiweiß, lösliche Stärke, Leim werden durch G. aus ihren Lösungen gefällt; tierische Haut (Blöße), Muskelfaser, Blase entziehen die G. vollständig ihren Lösungen; auch wird die gelöste G. auf Zusatz von Salzen, Chlornatrium, Chlorkalium, essigsaures Kali abgeschieden. Durch Gärung, welche durch ein in den Galläpfeln enthaltenes Ferment eingeleitet wird, oder durch Einwirkung verdünnter Säuren wird die G. in Gallussäure (s. d.), die als ein 1 der G. betrachtet werden kann, verwandelt. Beim Erhitzen färbt sie sich bei 150* dunkel und liefert bei vorsichtiger Steigerung der Temperatur Pyrogallussäure oder Pyrogallol CeH,O3, während schwarze Mellangallussäure C,H. Oa zurückbleibt; steigert man die Temperatur rasch auf 2507, so entsteht nur letztere Säure. Aus kohlensauren Salzen treibt die G. die Kohlensäure aus und verbindet sich mit den Basen zu gerbsauren Salzen oder Tannaten, die wenig beständig sind und kein allgemeineres Interesse besitzen. Die G. ist unter dem Namen Aeidum tannieum offizinell und findet als stark adstringierendes Mittel innerliche Verwendung, äußerlich wird sie zum Stillen von Blutflüssen benutzt. Als wesentlicher Bestandteil des Gallapfelexträkts dient sie zur Bereitung fast aller schwarzen Tinten, außerdem findet sie mannigfache Verwendung in der Färberei.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 825Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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