FeedGünther (Joh. Christian)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Günther (Joh. Christian), deutscher Dichter, geb. 8. April 1695 zu Striegau in Niederschlesien, zeichnete sich schon auf der Schule zu Schweidnitz durch seine poetischen Talente aus. G. bezog 1715 die Universität Wittenberg, um nach dem Willen seines Vaters, der Arzt war, Medizin zu studieren. Er vernachlässigte aber dieses Studium, da er nur Dichter sein wollte, und ergab sich einem wüsten Leben, geriet in Schulden und zerfiel für immer mit seinem Vater. G. wandte sich 1717 nach Leipzig und fand dort an Mencke einen Beschützer, gab Hoffnungen auf Besserung seines Lebenswandels und verfaßte in dieser Periode sein Gedicht auf den Passarowiczer Frieden, das ihn schnell bekannt machte, ohne seine äußere Lage zu verbessern. Mencke suchte ihm 1719 am dresdener Hofe eine Stellung zu verschaffen, aber Intriguen von Neidern, auch eigene Schuld G.s, vereitelten den Plan. Die letzten Jahre seines Lebens irrte G. heimatlos umher, fristete sein Dasein von Gelegenheitsdichtungen und von den Wohlthaten seiner Freunde. Vergeblich suchte er Hähnen. sich aufzuraffen und seinen Vater zu versöhnen. Er starb, noch nicht 28 J. alt, zu Jena 15. März 1723. G.s Lieder und Oden zeichnen sich durch Schwung der Sprache, Empfindung und freie Bewegung vor den meisten ihrer Zeit und namentlich denen der schles. Schule, deren letzter Dichter er war, vorteilhaft aus. Doch wechseln in seinen Gedichten Abspannung und Ermattung mit Lichtblitzen des Genius. Neben das Edelste und Höchste stellt sich in seinen Dichtungen das Gemeine, Freche und Lascive; aber schon dadurch, daß er darin seine Subjektivität frei und fessellos walten ließ, bezeichnet er die dem rein deutschen Liede eigentümliche Empfindungsseite und steht somit innerhalb seiner in Pedanterien und empfindungslosen Spielereien 9 0 Periode als ein lyrisches Phänomen da. Man hat von ihm auch einige treffliche Satiren und Episteln. Seine Gedichte wurden nach seinem Tode gesammelt (4 Bde., Bresl. 1723 —35; 6. Aufl. 1764); eine Auswahl derselben befindet sich in Müllers 4«Bibliothek deutscher Dichter des 17. Jahrh.y (Bd. 10). Tittmann gab G.s Gedichte heraus in Deutsche Dichter des 17. Jahrh.v (Bd. 6, Lpz. 1874), Litzmann in Reclams «Universalbibliotheks (Nr. 1295 fg.) und Fulda im 38. Bande von Kürschners «Deutscher Nationallitteratur» (Berl. u. Stuttg. 1883). Vgl. Hoffmann von Fallersleben, Johann Christian G., ein litterarisch-histor. Versuche (Bresl. 1833; wiederholt in dessen «Spenden zur deutschen Litteraturgeschichte, Bd. 2, Lpz. 1845); Roquette, „Leben und Dichten G.sv (Stuttg. 1860); Kalbeck, „Neue Beiträge zur Biographie G.3 „ (Lpz. 1879) Litzmann, «Zur Tertkritik und Biographie G.35 (Frankf. a. M. 1880); Wittig, Neue Entdeckungen zur Biographie G.s» (Striegau 1881). Güuther (Joh. Heinr. Friedr.), Tierarzt, geb. 6. Dez. 1794 zu Kelbra bei Nordhausen, besuchte das Gymnasium zu Rudolstadt, studierte seit 1813 in Jena, dann in Berlin zunächst Medizin, hierauf Tierheilkunde. Nachdem er den Feldzug von 1815 als freiwilliger Jäger mitgemacht, setzte er bis 1818 in Hannover das Studium der Tierheilkunde fort, praktizierte hierauf in seinem Heimatsorte und wurde 1820 Lehrer an der Tierarzneischule zu Hannover. Im J. 1830 wurde er Vizedirektor dieser Anstalt, 1847 wirklicher Direktor derselben. Nachdem er 1858 in den Ruhestand getreten war,. starb er 19. Nov. desselben Jahres. Als vortrefflicher Lehrer und Dirigent seiner Anstalt war G. allgemein bekannt. Seine Hauptschriften sind: eine Abhandlung über das Eingeben von Tränken bei Tieren und daraus folgenden Fremdkörper-Pneumonien im 4Hannov. Magazin» (1829), „Lehrbuch der praktischen Veterinärgeburtshilfe⸗ (Hannov. 1830), «Das Gangwerk der Pferde⸗ (Hannov. 1845), «Die Beurteilungslehre des Pferdes„ (Hannov. 1859, in Gemeinschaft mit seinem Sohne Karl G. herausgegeben). Im letzten Werke findet sich ein Anhang über gesunde und kranke Zähne des Pferdess, die erste wertvolle und brauchbare Schrift über Zahnkrankheiten der Haustiere.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 630Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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