FeedGustav I.
GeschichteBrockhaus 1882

Gustav I., König von Schweden (1523—60), bekannt unter dem Namen Gustav Wa sa, geb. 12. Mai 1496 zu Lindholmen in Upland, hieß ursprünglich Gustav Eriksson und war der älteste Sohn des Reichsrats Erik Johansson, der väterlicherseits aus dem Hause Wasa, mütterlicherseits aus dem Hause Sture abstammte, zwei Familien, die in der Geschichte Schwedens eine hervorragende Rolle gespielt hatten. Seine Verwandten, die Sture, welche damals Reichsverweser von Schweden waren, flößten ihm frühzeitig Liebe zum Vaterlande ein, sorgten für seine Erziehung und schickten ihn 1509 auf die Schule zu Upsala. Nach der Rückkehr von Upsala nahm ihn Sten Sture der Jüngere 1514 an seinen Hof und ließ ihn durch den gelehrten Bischof von Linköping, Hemming Gadd, weiter zum Staatsmann ausbilden. G.—nahm an dem Siege bei Brännkyrka nahe Stockholm, welchen Sten Sture 1518 über die dän. Truppen unter Christian II. erfocht, rühmlichen Anteil. Als er bei den darauffolgenden Verhandlungen nebst fünf andern vornehmen Schweden als Geisel auf die feindliche Flotte vor Stockholm geschickt wurde, ließ Christian ihn und seine Gefährten ergreifen und als Gefangene nach Dänemark abführen. Hier vernahm G. im Herbst 1519, daß Christian die Unterwerfung Schwedens beabsichtige. Er entfloh, um sein Vaterland womöglich zu retten, in Bauernkleidern, erreichte am ersten Tage Flensburg, trat dort bei jütländ. Ochsenhändlern in Dienst und kam mit diesen in Lübeck an. Der Rat von Lübeck nahm den Flüchtling in Schutz und beförderte dessen Abreise nach Schweden. Hier landete G. auf der Landzunge Stensö, unweit Kalmar, das damals von den Dänen zur See blockiert wurde. Er 90 in die Stadt und munterte dieselbe zum tapfern Widerstande auf; aber man fürchtete sich, mit einem Geächteten Partei zu machen. G. wandte sich nun nach Smäland zu den Landbauern seines Vaters und von da nach Dalekarlien, wo er, von Christians Soldaten verfolgt, verschiedene Verstecke aufsuchen mußte. Wiederholt hatte G. die Darlekarlier zum Aufstand gegen die Dänen aufgefordert; aber erst als die Kunde von dem Stockholmer Blutbad und das Gerücht von einer neuen Steuer, mit welcher Christian die Bauern belegen wollte, eintraf, wählten diese G. zu ihrem Anführer. Das Schloß des Gouverneurs wurde erstürmt, und ermutigt durch diesen Erfolg, versammelten sich immer mehr Dalekarlier unter G.s Fahnen. Nachdem ein Haufe von 6000 Mann, die der Erzbischof Trolle den Dalbauern worden,rach e von diesen eschlagen und zerstreut worden, brach G. aus Dalearlien hervor, nahm Westeräs, dann Upsala ein und rückte gegen Stockholm, ohne jedoch diese Stadt erobern zu können. Inzwischen wurde er auf einem nach Wadstena in Ostgothland ausgeschriebenen Herrentage 24. Aug. 1521 zum Reichsverweser und Oberhauptmann des Königreichs Schweden ernannt. Im Besitz dieser gesetzlichen Macht begann er nunmehr die Landesregierung einzurichten und seine Kriegsmacht zu vermehren. Zugleich rückte er aufs neue vor Stockholm und schloß es eng ein. Obgleich sein Lager durch die Ausfälle der Dänen 7., 8. und 13. April in seiner duat Hüie zerstört wurde, gelang es ihm dennoch mit Hülfe von zehn Schiffen, die Lübeck ihm sendete, der Städte Kalmar und Stockholm im Juni und Juli 1523 sich zu bemeistern. Noch vor der Einnahme Stockholms berief er aber zu Pfingsten 1523 die schwed. Stände zu einem Reichstage nach Strengnäs, auf welchem er es dahin zu bringen wußte, daß ihm die Krone Schwedens angetragen wurde, die er auch nach scheinbarem Weigern annahm (7. Juni). Bald nach der Einnahme von Stockholm eroberte er auch Finland, wodurch er in den Besitz des ganzen schwed. Reichs gelangte. Auf den Rat seines Kanzlers Lars Anderson (Laurentius Andreä) faßte er den Plan, die Reformation, die er durch zwei Schüler Luthers, Olaus und Laurentius Petri, geborene Schweden, kennen gelernt, in Schweden einzuführen. Doch betrieb er diesen Plan nicht mit Hast, sondern allmählich. Erst als die Mehrzahl zur prot. Kirche sich bekannte, wurde auf dem Reichstage zu Westeräs (1527) endlich die allgemeine Annahme der Reformation angeordnet. Auf einem Reichstage ebendaselbst (1544) erfolgte auch die Vereinigung zwischen ihm und den Ständen, zufolge deren Schweden ein Wahlreich zu sein aufhörte und G.s ältestem Sohn Erik als Kronprinzen gehuldigt wurde. Um seine Macht fester zu gründen, suchte er das Ansehen des Adels und der Geistlichkeit zu schwächen. Demgemäß zog er den größten Teil der Kirchen-und Klostergüter ein, legte den Geistlichen Steuern auf und bestimmte selbst die Einkünfte derselben. Dem Adel setzte er dadurch Schranken, daß bei den immer häufigern und regelmäßiger ausgechriebenen Reichstagen dem Bürger- und Bauerntande der während der Unruhen der Kalmar-Union verloren gegangene Einfluß auf die Reichsangelegen-Dezich wieder zugestanden wurde. Die vielfachen erschwörungen, die sich infolge seiner energischen Regierungsweise gegen ihn erhoben, wurden durch seine Wachsamkeit entdeckt und durch Klugheit und Macht vereitelt. Um sich von der drückenden Handelsherrschaft der Hansa zu befreien, kämpfte er sechs Jahre lang erfolgreich mit Lübeck und schloß einen Handelstraktat mit England und den Niederlanden. Zur Behauptung Finlands führte er 1555 —57 einen glücklichen Krieg mit Rußland. Seinen Sohn erster Ehe, Erik XIV., bestimmte er zum Thronfolger, jedoch so, daß unter diesem seine Söhne zweiter Ehe, Em die er eine große Vorliebe hegte, Johan in Finland, Magnus in Ostgothland, Karl in Södermanland mit Nerike und Wermland, aber ohne Souveränetät regieren sollten. G. starb 29. Sept. 1560. Für die Entwickelung Schwedens hat er großartig gewirkt. 721 Vgl. Archenholz, Geschichte Gustav Wasas, Königs von Schwedeno (2 Bde., Tüb. 1801); Fryxell, „Leben und Thaten Gustavs I. Wasav (deutsch von CEkendahl, Neust. a. d. O. 1831).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 637Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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