FeedGeer af Finspüng
GeschichteBrockhaus 1882

Geer af Finspüng (Louis Gerhard, Freiherr de), Uadide Staatsmann, Sohn des Hofmarschalls Gerhard de G., geb. 18. Juli 1818 zu Finspäng, stammt ab von einer alten brabantischen Familie, aus welcher Louis (geb. 1587, gest. 1652) mit großen Reichtümern nach Schweden kam und sich hier bedeutende Güter erwarb, auch dem Könige Gustav II. Adolf und der Königin Christine große Summen und Kriegsbedürfnisse vorstreckte und 1641 geadelt wurde. Späterhin teilte sich diese Familie in die gräflichen von Leufsta und Terwik ein Finland), in die freiherrlichen von Leufsta und Finspang und in die adelige de Geer. Louis Gerhard de G. war der dritte von 14 Geschwistern. Im J. 1836 wurde er Student zu Upsala. Um diese Zeit veröffentlichte er unter der Signatur L. D. G., außer verschiedenen kleinen Aufsätzen ästhetischen Inhalts, auch ein paar Novellen, wie Hjertklappningen p Dalviko (Stockh. 1841), „(S. H. I.v (Stockh. 1843) und Carl den Tolttes Pagev (Stockh. 1845). Im J. 1845 trat er in den Justizdienst, ward 1849 zum Assessor an dem Hofgericht zu Kristianstad und 1855 zum Präsidenten des Göta-Hofgerichts zu Jönköping ernannt und 1856 nach Stoctholm berufen, wo der König Oskar I. ihm das Amt als Justizstaatsminister antrug. Damals lehnte er diesen Posten ab, übernahm ihn aber 7. April w1858. Am 3. Juni 1870 nahm er seinen Abschied und wurde zum Präsidenten des (Svea⸗)Hofgerichts in Stockholm ernannt. Seine Thätigkeit als Staatsrat ist für Schweden höchst wichtig gewesen und hat ihm als Gesetzgeber einen geachteten Namen erworben. Ihm gebührt vorzugsweise die 1866 erfolgte Einführung einer durchgreifend neuen Reichstags⸗ oder Repräsentationsordnung mit zwei Kammern mit vom Volke gewählten Mitgliedern anstatt der i vier Stände. (S. Schweden.) G. trat am 11. Mai 1875 wieder in seiner vorigen Stellung in die Regierung ein und wurde im folgenden Jahre Ministerpräsident, ging aber infolge der vorgeschlagenen, jedoch abgekehnten Umbildung des Heerwesens 19. April 1880 wieder ab, und fungiert seit 1881 als Kanzler der schwed. Universitäten. Schon 1862 ward er zum Mitglied der Schwedischen Akademie erwählt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 629Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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