Gustav III., König von Schweden (1771 -92), geb. 24. Jan. 1746, war der älteste Sohn Adolf Friedrichs, Herzogs von Holstein-Gottorp, nachmaligen Königs von Schweden, und Luise Ulrikes, einer Schwester Friedrichs II. von Preußen. Die glücklichen Anlagen, mit welchen G. ausgestattet war, entwickelten sich unter der Leitung der Grafen Tessin und Scheffer rasch und kräftig. In Schweden hatten damals zwei aristokratische Parteien, bekannt unter dem Namen der Mützen und Hüte, die Staatsgewalt an sich gerissen; jene wurde durch Rußland, diese durch Frankreich geleitet. Beide strebten, obgleich sonst in feindseligem Widerstreit, den Thron seiner Prärogative mehr und mehr zu entkleiden und an dessen Stelle die volle Herrschaft der Stände zu setzen. Kaum hatte G. nach seines Vaters Tode 12. Febr. 1771 den Thron bestiegen, als er, geleitet von Frankreichs Ratschlägen, den Plan faßte, mit Unterstützung des Bürger⸗ und Bauernstandes und unter Beihilfe der jüngern Offiziere die Adelsaristokratie zu stürzen. Doch hielt er seinen Entschluß geheim und unterschrieb sogar die neue Versicherungsakte vom 4. März 1772, welche seine Gewalt noch mehr einschränkte. Im stillen suchte er indes Volk und Militär auf seine Seite zu ziehen. Unter dem Vorwande, neue Manöver einzuführen, versammelte der König 200 meist junge Offiziere um sich, die bald eine Verbindung zu seinen Gunsten bildeten. Vorzüglich thätig war in der Hauptstadt Oberst Sprengtporten, bis ihn der Argwohn des Reichstags nach Finland verbannte; in den Provinzen wirkten Abgesandte des Königs bei den Regimentern. Auch einige bedeutende Männer, unter andern die Grafen Hermansson und Scheffer, hatten sich mit dem Könige vereinigt. Nachdem eine neue Verfassung entworfen, wurden die Rollen so verteilt, daß die Brüder des Königs, der ältere, Karl, in Schonen, der jüngere, Friedrich, in Ostgothland, und Sprengtporten in Finland die Revolution leiten sollten, die der König in der Hauptstadt dann vollbringen würde. Dem Plane gemäß kündigte zuerst 12. Aug. 1772 der Kommandant von Christianstad, Hauptmann Hellichius, den Reichsständen durch ein förmliches Manifest den Gehorsam auf. Alsbald zog der Prinz Karl die Regimenter in der Nachbarschaft zusammen und erschien mit denselben vor Christianstad; da jedoch seine Aufforderung zur übergabe fruchtlos blieb, begann eine scheinbare Belagerung und Verteidieung. Der König benahm sich dabei so klug, daß er allen Argwohn seiner Feinde völlig zerstreute. Am 19. Aug. 1772 kam es aber im Reichsrat zwischen ihm und einigen Reichsräten zu lebhaftem Wortwechsel. Jetzt warf er die Maske ab und vollendete zu Stocholm die Revolution, die zu Christianstad begonnen hatte. Er erschien auf der Wachtparade und schilderte nach der Rückkehr ins Schloß, wohin ihn viele Offiziere begleiteten, diesen seine und des Vaterlandes Bedrängnisse, sowie die Notwendigkeit, die angemaßte Gewalt der Stände zu vernichten, forderte sie auch in feuriger Rede zur Unterstützung seines Plans auf. Zwei ausgenommen, leisteten alle den Eid des Gehorsams. Hierauf begab sich G., umringt von einer großen Volksmenge, auf den Nordermarkt, wo der übrige Teil der Leibwache, dann in den Zeughof, wo das Artillerieregiment ihm huldigte. Zugleich ließ er die Truppen sich mit Kanonen und Schießbedarf versorgen, befahl die Verhaftung der Mitglieder des Reichsrats und empfing die Huldigungen der Verwaltungsbehörden, des stockholmer Magistrats und der Admiralität. So wurde die Verfassung binnen wenigen Stunden beseitigt, und schon am folgenden Tage leisteten die Kollegien und die Bürger in Stockholm den Unterthaneneid. Um die neue Verfassung durch die Stände anerkennen zu lassen, wurden sie auf den 21. Aug. mit der Drohung, daß jeder Ausbleibende als Landesverräter bestraft werden solle, zu einer allgemeinen Versammlung auf das Schloß beschieden. Hier erklärte G. seine Absicht, an die Stelle des Parteidespotismus eine gemäßigte Monarchie zu setzen, wie sie unter Gustav Adolf und vor dem J. 1680 bestanden, und ließ die neue Verfassung vorlesen, die sofort genehmigt und durch Unterschrift und Eid bekräftigt wurde. Fast alle Staatsdiener blieben in ihren Amtern, die Verhafteten wurden in Freiheit gesetzt, die Revolution war beendigt. Durch die Bemühungen des Königs erwachten Handel, Ackerbau und Gewerbfleiß, die Land- und Seemacht hob sich, Bergbau, Künste und Wissenschaften blühten wieder auf, und viele Anstalten, die G. nach dem Beispiel Friedrichs II. von Preußen ins Leben rief, förderten die allgemeine Wohlfahrt. In Hinsicht seines Hofstaats nahm er jedoch den Glanz des franz. Hofs zum Muster, was ihn zur lüberlastung des Landes führte. Noch mehr aber als diese Prachtliebe war seine abenteuerliche Politik geeignet, allgemeine Unzufriedenheit zu erregen, und die Stände waren schon auf dem Reichstage von 1786 offen und heftig gegen den König aufgetreten. Sie verwarfen fast alle seine Vorschläge und nötigten ihn zu harten Opfern. Noch bedrängnisvoller aber wurde seine Lage, als, nachdem er selbst Rußland angegriffen, die Dänen auf Rußlands Antrieb in Schweden einfielen und zugleich 12. Aug. 1788 im Heer eine Meuterei 36 Heuch Unter dem Vorwand, daß der König ohne Genehmigung der Stände keinen Angriffskrieg beginnen dürfe, weigerte sich das Heer zu fechten und unterhandelte eigenmächtig mit Rußland um einen Waffenstillstand. Aber G. eilte nach Schweden zurück gewann die Hilfe der Dalekarlier und rettete dur sie zunächst Gothenburg vor den Angriffen der Dänen, worauf er sich durch Englands und Preußens Vermittelung ganz von diesem Feinde befreite. Auf dem im Febr. 1789 zu Stockholm eroffneten Reichstage wurden ihm trotz des Widerstrebens des Adels völlige Souveränetät und das Recht verwilligt, ohne Einwilligung der Stände 21181 anzufangen. Jetzt setzte er den Feldzug gegen Rußland mit höchster Anstrengung fort. Zwar siegten die Russen 1789 fast allenthalben zur See und zu Lande; doch im folgenden Jahr brachte er durch die Gefechte bei Kärnakoski (15. April) und Walkiala (29. Aprih), wie durch den Sieg seiner Schärenflotte über die russ. Flotte bei Fredrikshamn (15, Mai) das Kriegsglück wieder auf seine Seite. Auch glich er seinen Verlust, als er sich 3. Juli durch die feindliche Flotte schlug, durch den blutigen Sieg seiner Schärenflotte bei Svensksund (9. Juli) über den Prinzen von Nassau glorreich wieder aus. Dieser Sieg führte zum Frieden, der 14. Aug. 1790 zu Werelä am Kymmeneflusse zwischen Rußland und Schweden auf das Verbleiben des vor dem —485 bestandenen Besitzstandes abgeschlossen wurde. (S. Finnische Kriege.) Statt nun die empfangene Lehre für die Zukunft zu benutzen, beschloß der König, in den Gang der Französischen Revolution einzugreifen und Ludwigs XVI. Macht herzustellen. Er wollte Schweden, Rußland, Preußen und Psterreich vereinigen und sich an die Spitze dieses Bundes stellen. Zu diesem Zwecke ging er im Frühjahr 1791 nach Aachen, schloß mit Katharina II. einen Freundschaftsvertrag und berief einen Reichstag nach Gefle im Jan. 1792, der nach vier Wochen endigte. Unterdessen hatten sich aber zur Ermordung des Königs die Grafen Horn und Ribbing, die Freierren Bjelke und Pechlin, der Oberstlieutenant iljehorn und mehrere andere verbunden. Nachdem bereits der Mord in Gefle versucht worden, bot sich Anckarström, der den König persönlich haßte, den Verschworenen zum Werkzeug an. Eine Maskerade zu Stockholm, in der Nacht vom 16. zum 17. März 1792, wurde zur Ausführung bestimmt. Obschon der König kurz vor dem Anfang des Balls gewarnt wurde, ging er doch gegen 11 Uhr mit dem Grafen Essen dahin, trat in eine Loge und, da alles ruhig, in den Saal. Bald umgab ihn ein Gewühl von Masken, und indem ihm eine derselben (Horn) mit den Worten 4Bon jour, beau masquelo auf die Schulter klopfte, wurde er (wahrscheinlich von Anckarström, s. d.) durch einen Schuß im Rücken tödlich verwundet. Nachdem er noch in den folgenden Tagen mit Geistesgegenwart die nötigsten Geschäfte geordnet, Armfelt zum Oberstatthalter von Stockholm ernannt und den Befehl unterzeichnet hatte, seinen Sohn Gustav IV. Adolf zum König auszurufen, starb er 29. März 1792. G. war, gleich seinem Oheim, dem König Friedrich II. von Preußen, entschieden für das Französische eingenommen, aber deshalb der schwed. Litteratur keineswegs abgeneigt, sondern suchte dieselbe zu heben. Er selbst schrieb in schwed. Sprache mehrere Elogen und Schauspiele (deutsch von Eichel, Lpz. 1843), welche hinsichtlich der Sprachreinheit musterhaft sind, aber wenig Originelles haben. Eine Sammlung seiner «Oeuyres politiques, littéraires et dramatiqueso wurde von Dechaux (5 Bde., Par. 1805; deutsch im Auszuge von Rühs, 3 Bde., Berl. 1805—8) veranstaltet. G. hatte befohlen, alle seine Papiere, in Kisten vers Ruuslw. auf der Universitätsbibliothek zu Upsala aufzubewahren, wo sie erst nach 50 Jahren geöffnet werden sollten. Diese Eröffnung fand 29. März 1842 statt, und es erhielt Professor Geijer den Auftrag, die Papiere zu verzeichnen und uber den Inhalt an den König zu berichten. Während dieser Arbeit gewannen dieselben noch einen Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VIII. sehr bedeutenden Zuwachs durch eine Sammlung ungedruckter Sachen über Gustavs III. Regierung, die gegen Ende 1842 der Kammerherr Nils Tersmeden der Universitätsbibliothek zu Upsala übergab. Außer dem offiziellen Bericht hat Geijer auch öffentlich über die gesamten, viel Interessantes für die Geschichte Schwedens und die Charakterisierung des Königs enthaltenden Papiere berichtet in Konung Gustaf III:s efterlemnade och femtio àr efter hans död öppnade pappero (3 Bde., + 1843—45; deutsch von Creplin, 3 Bde., Hamb. 1843—46). Vgl. D'Aguila, Mlistoire durègne de Gustave III= (2 Bde., Par. 1815); Fryxell, «Gustaf III. och ur Svenska Historieno, Stockh. 1873); Nervo, (Gustave III roi de Suède et Anckarströmo (Par. 1876). Den tragischen Tod G.s wählte Auber (Text von Scribe) zum Gegenstand der Oper 4G. oder der Maskenballo.