FeedGustav IV. Adolf
GeschichteBrockhaus 1882

Gustav IV. Adolf, König von Schweden (1792—1809), geb. 1. Nov. 1778, wurde nach seines Vaters, Gustavs III., Tode 29. März 1792 zum König ausgerufen. Während seiner Minderjährigkeit führte sein Oheim und Vormund, der Herzog Karl von Södermanland, der nachmalige König Karl XIII. (s. d.), die Re ——— die G. dann 1. Nov. 1796 selbst ubernahm. Der junge König war nicht ohne Talente und besaß viel natürliche fein ater, d. aber die Beharrlichkeit, zu der ihn ein Vater, der ihn nach Rousseauschen Grundsätzen erzog, gewöhnen wollte, hatte sich zur Unbeugsamkeit ausgebildet. Bald nach seinem Regierungsantritt ließ er sich zwar die Souveränetät, wie sie sein Vater errungen, auf dem Reichstage zu Norrköping (1800) bestätigen, dagegen änderte er gleich anfangs vieles in den Regierungsgrundsätzen und hob manche weise Anordnung, die sen Oheim getroffen, wieder auf. Bereits mit einer Prinzessin von Mecklenburg versprochen, lud ihn 1796 die Kaiserin Katharina II. nach Petersburg ein, in der Absicht, ihn mit ihrer Enkelin Alexandra Paulowna zu vermählen. Schon war alles zur Vermählung vorbereitet, als G. sich weigerte, den Ehekontrakt zu unterzeichnen, weil man in Bezug auf den Gottesdienst seiner künftigen Gemahlin Punkte darin aufgenommen, die er nicht zugestehen wollte. Nichts konnte seine Weigerung besegen, er zog sich in seine Zimmer zurück, und die Vermählung kam nicht zu Stande. Am 31.Okt. 1797 vermählte er sich dagegen mit der Prinzessin Friederike von Baden, der Schwägerin des Kaisers Alexander I. und des nachmaligen Königs Maximilian I. von Bayern. Als die nordischen Mächte über die Erneuerung des besonders gegen England gerichteten Bündnisses der bewaffneten Neutralität unterhandelten, begab er sich 1800 zur Beschleunigung des Abschlusses selbst nach Petersburg. Dennoch blieb er, als England gegen diese Mächte, besonders gegen Dänemark, die Offensive ergriff, ganz unthätig. Nach Alexanders I. Thronbesteigung trat er sogar 1802 dem neuen Handelsvertrage zwischen England und Rußland bei, durch welchen er von den Engländern außer der Rückgabe der Insel Barthelemy Befreiung der schwed. Schiffe vom Embargo in den brit. Häfen erhielt. Im Juli 1803 reiste er nach Karlsruhe, um den Kaiser und die Reichsfürsten für die Idee zu gewinnen, die Bourbons statt des Ersten Konsuls wieder an die Spitze der franz. Regierung zu setzen. Er befand sich noch in Karlsruhe, als der Herzog von Enghien auf Napoleons Befehl aus dem Badischen mit Gewalt entführt wurde. Sofort sendete er seinen Adjutanten nach Paris, um den Prinzen zu retten; allein der Prinz war schon tot. Auch übergab er deshalb nachdrückliche Noten in Regensburg und war nächst Alexander der einzige Souverän, der über jene Blutthat offen seinen Unwillen äußerte. Dieses hatte den völligen Bruch mit Frankreich und eine immer engere Verbindung mit Großbritannien und Rußland zur Folge So edel es erschien, daß er die von Napoeon kurz r dem Frieden von Tilsit gemachten iedensvorschläge verwarf, ja sogar in der Abcht, Preußen bessere Friedensbedingungen zu verschaffen, 2. Juli 1807 den Waffenstillstand mit Frankreich aufhob, so mußte man es doch für unnütze Hartnäckigkeit ansehen, als er nach dem Frieden von Tilsit die von Rußland und Preußen angebotene Vermittelung ausschlug. Er verlor nun Stralsund, das er 19. Aug. 1807 verließ, und die nsel Rügen. Seine blinde Anhänglichkeit an Engand, von welcher Alexander ihn vergebens abzun versuchte, stürzte sein Volk in Krieg mit ußland und Dänemark. Da nämlich G. durchaus die Teilnahme Schwedens an der Verschließung der Ostsee gegen die Engländer bis zum allgemeinen Seefrieden verweigerte und vor allem erst die Entfernung der franz. Truppen von den Küsten der Ostsee und die Wiedereröffnung der deutschen Häfen für Englands Handel gebieterisch forderte, so drangen die Russen mit 60 000 Mann in Finland ein und eroberten diese Provinz, die hierauf mit Rußland vereinigt wurde. Um sich für den Verlust Finlands zu entschädigen, griff G. Norwegen an; doch von den Dänen und Norwegern zurückgeschlagen, mußte die schwed. Armee unter Armfelt sich über die Grenze zurückziehen. Nicht gewillt, Frieden zu schließen, reizte er noch Adel und Heer gegen sich auf. Als England ihn zu gemäßigtern Ansichten zu bringen suchte, legte er auf alle engl. Kauffahrteischiffe in den schwed. Häfen Beschlag und stieß damit auch diese Macht von sich. So mußte es jedem deutlich werden, daß der König die Wohlfahrt seines Volks ganz seiner Leidenschaft aufzuopfern fähig sei, und ein im tiefsten Dunkel entworfener Plan gedieh endlich zur Reife. Die westl. Armee, versichert, daß die Dänen die Grenze nicht überschreiten würden, setzte sich unter Adlersparre in Marsch gegen Stockholm, wo unter den nächsten Umgebungen des Königs die Häupter der Verschwörung sich befanden. Auf die Nachricht von ihrer Annäherung beschloß der König anfangs, in Stockholm mit einigen Regimentern sich zu verteidigen, änderte jedoch bald diesen Plan und wollte nach Linköping aufbrechen, um dort noch mehr Truppen an sich zu ziehen. Vor seiner Abreise verlangte er von der Bank 2 Mill. Thlr. Als die Kommissarien diese Zahlung verweigerten und er 13. März zu gewaltsamer Wegnahme des Geldes schreiten wollte, schien der Augenblick zum Handeln gekommen. Noch einmal wollte Klingspor im Verein mit Adlercreutz und Silfversparre den Weg gütlicher Vorstellung versuchen; doch G. beleidigte die Sprecher auf das empfindlichste, worauf Adlerereutz ihm den Degen abforderte und ihn im Namen der Nation zum Gefangenen erklärte. Schon am Nachmittag verkündete eine Proklamation des Herzogs Karl von Södermanland, daß er die Regierung übernommen habe. G. zeigte sich in sein Schicksal ergeben. Er wurde nachts um 1 Uhr nach Drottningholm, während seine Gemahlin mit „ihren Kindern zu Haga bleiben mußte, und 24. März nach Gripsholm gebracht. Von hier aus sandte er 29. März eine Entsagungsakte zu Gunsten seines Sohnes. Die Reichsstände aber erklärten ihn und seine Erben 10. Mai 1809 des Throns für immer verlustig und setzten ihm und seiner Familie auf Antrag des neugewählten Königs Karl XIII. ein jährliches Einkommen von 66 666 Thlrn. aus; auch sein Privatvermögen, das seiner Gemahlin und seines Sohnes verblieb ihm. Im J. 1824 wurden statt der Rente und zur Abfindung für sonstige Forderungen 721419 Thlr. an die Familie ausgezahlt. Er ging 6. Dez. 1809 nach Deutschland, von da nach der Schweiz, wo er zu Basel unter dem Namen eines Grafen von Gottorp lebte. Später trennte er sich von seiner Gemahlin und seinen Kindern reiste ohne bestimmten Zweck umher, begab sich 1810 nach Petersburg und 1811 nach London, ließ sich 1812 von seiner Gemahlin scheiden und rüstete sich 1815 in Basel zu einer Reise nach Jerusalem, kehrte jedoch aus Morea zurück. Dem Wiener Kongreß ließ er im Nov. 1814 eine Erklärung überreichen, in welcher er die Rechte seines Sohnes auf den schwed. Thron in Anspruch nahm. Später nannte er sich Oberst Gustavsson, wurde 1818 Bürger in Basel, privatisierte 1827 —29 in Leipzig, ging dann nach Holland und lebte später in Aachen, zuletzt in St. Gallen. Er starb 7. Febr. 1837 zu St. Gallen. Zur Widerlegung einiger Behauptungen des Artikels &G. Adolphen in der Biographie des contemporainso und in Ségur's Histoire de Napoléon et de la grande arméeo schrieb er das Mémorial du colonel Gustafson o (Lpz. 1829; deutsch, Lpz. 1839); außerdem Nouvelles considérations sur la liberté illimitée de la pressen (Aachen 1834), La journée du 13 Mars 18095 (St. Gallen 1835). G. hinterließ einen Sohn und drei Töchter, die von ihrer Mutter (gest. 25. Sept. 1826 in Lausanne) trefflich erzogen wurden. Die älteste, Sophie Wilhelmine (gest. 7. Juli 1865), vermählte sich 1819 mit dem Großherzog Leopold von Baden, die jüngste, Cäcilie (gest. 27. Jan. 1844), 1831 mit dem Großherzog Paul Friedrich August von Oldenburg. Der Sohn Gustav, geb. 9. Nov. 1799, österr. Feldmarschalllieutenant, führte seit 5. Mai 1829 den Titel eines Prinzen von Wasa und starb zu Pillnitz 4. Aug. 1877. Derselbe vermählte sich 1830 mit Prinzessin Luise (gest. 19. Juli 1854), Tochter des Großherzogs Karl Ludwig Friedrich von Baden und der Stephanie, der Adoptivtochter Napoleons J. Aus der Che des Prinzen von Wasa ging eine Tochter, die Prinzessin Carola (geb. 5. Aug. 1833), hervor, vermählt seit 1853 mit dem Kronprinzen (nachmaligen König) Albert von Sachsen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 641Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6