FeedGuyenne
ErdkundeBrockhaus 1882

Guyenne, früher eine franz. Provinz, ein Teil des alten Aquitanien (s. d.), umfaßte das eigentliche G. im engsten Sinn (das Land an der Gironde) nebst den Landschaften Bazadois, Périgord, Agenois (zusammen Nieder-G.); ferner Quercy und Rouergue (zusammen Ober-G.) oder die heutigen Depart. Gironde, Dordogne, Lot-et-Garonne, Lot und Aveyron. Als 1137 der Mannsstamm der Herzöge von Aquitanien ausstarb, brachte die Erbtochter Eleonore das Land nebst ihren übrigen Be-Franden an ihren Gemahl, Ludwig VII. von Frankreich. Da dieser jedoch sich von ihr scheiden ließ, fiel das ganze Erbe 1152 an ihren zweiten Gemahl, Heinrich II. von England, und blieb nun fast unausgesetzt im engl. Besitz, bis nach langwierigen Kriegen Karl VII. von Frankreich 1451 G. eroberte und 1453 für immer dem franz. Reiche einverleibte. Bis zur Revolution bildete es nun das Gouvernement G. (im weitesten Sinne), zu welchem auch die ganze Gascogne geschlagen wurde. Guyet (Frangois), franz. Philolog, geb. 1575 zu Angers, lebte nach längerm Aufenthalt in Paris und Rom ganz den Wissenschaften im Collége de Bourgogne zu Paris. Er starb zu Paris 12. April 1655. G. schrieb Noten zu Terenz (herausg. von Böcler, Straßb. 1657), Hesiod (Amsterd. 1667), Hesychius (Leid. 1668), Statius, Lucanus (Leid. 1738) und Lucian (1687), in denen er sich als einen der größten Kritiker seiner Zeit zeigt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 656Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6