FeedGützlaff (Karl)
ReligionBrockhaus 1882

Gützlaff (Karl), Missionar und Sinolog, geb. 8. Juli 1803 zu Pyritz in Pommern, zeigte schon früh besondere Neigung für den Beruf eines Missionars, mußte aber wegen der Ahandwert ert seiner Eltern zu Stettin das Gürtlerhandwerk erlernen. Auf Veranlassung des Königs von Preußen, dem er 1821 bei dessen Anwesenheit in Stettin seine Wünsche in einem Gedichte dargelegt, kam er in die Pereßt⸗ Missionsanstalt zu Berlin, aus der er bereits Ostern 1823 der holländ. Missionsgesellschaft zu Rotterdam zugesandt werden konnte. Zum Missionar für die Battas auf Sumatra bestimmt, ging er Aug. 1826 nach dem niederländ. Indien ab. Kriegsverhältnisse auf Sumatra hielten ihn ab sich dorthin zu begeben, und er nahm 2 . seinen Wohnsitz zu Batavia, machte durch Medhurst Be⸗ „kanntschaft mit den dortigen Chinesen und verheifratete sich mit einer reichen Engländerin. Nachdem er zwei Jahre hindurch sich mit der Sprache und der Lebensweise der Chinesen vertraut gemacht hatte, beschloß er, seine Missionsthätigkeit nach China zu verlegen. Er gab die Beziehungen zu der niederländ. Gesellschaft auf und ging mit dem engl. Missionar Tomlin 1828 zunächst nach Bangkok in Siam, wo beide teils das Evangelium predigten, teils sich Kenntnis des Siamesischen erwarben. Nach einiger Zeit siedelte G. nach Macao über, um von hier aus das Christentum in das Herz Chinas zu tragen. Er verbreitete chines. Traktätschen christ. Inhalts, begann mit Medhurst, der ihm nach China gefolgt war, eine neue übersetzung der Bibel in das Chinesische, begründete mit Morrison eine Gesellschaft für Verbreitung nützlicher Kenntnisse in China, deo ein chines. monatliches Magazin heraus und übernahm von Macgo aus wiederholte Reisen nach verschiedenen Teilen des Reichs. über diese berichtete er unter anderm in «Journal of three voyages along the coast of China in 1831, 1832 and 1833 (herausg. von Ellis, Lond. 1834; deutsch, Bas. 1835). G. erhielt 1835 die Stelle eines ersten Dolmetschers bei der brit. Oberaufsichtsbehörde in China. Als solcher machte er, Mai 1835, den vergeblichen Versuch, in das Innere der Provinz Fo-kien einzudringen. Durch die chines. Behörden in seiner missionarischen Thätigkeit gehemmt, leistete er in dem engl.⸗chines. Kriege den Briten wesentliche Dienste als Dolmetscher und durch seine Kenntnis von Land und Volk. Auch wirkte er 1842 bei den Friedensverhandlungen zwischen England und China mit und gründete 1844 einen sog. Chinesischen Verein, um durch einheimische Christen das Evangelium im Reiche der Mitte zu verbreiten. Um die Zwecke der Mission zu fördern, begab er sich 1849 nach England und Deutschland. Nach seiner Rückkehr nach China landete er im Jan. 1851 zu Hongkong, starb aber hier schon 9. Aug. 1851. Unter G.s Schriften sind besonders schätzbar: K&China opened o (2 Bde., Lond. 1838), „Geschichte des Chinesischen Reichs o(herausg. von Neumann, Stuttg. 1847) und «The life of Taokuang (Lond. 1851; deutsch, Lpz. 1852).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 656Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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