Guyon (Jeanne Marie Bouvier de la Motte-G.), neben Molinos Begründerin des engl. Quietismus (s. d.), geb. 13. April 1648 zu Montargis in der Provinz Orléans, wurde im Alter von 16 J. mit einem Herrn Jacques de la Motte-G. vermählt. Im J. 1676 Witwe geworden, suchte sie ihre mystischen Anschauungen in weitern Kreisen zu verbreiten. Mit ihrem Seelenführer Lacombe begab sie sich 1681 nach Gex am Genfersee, um die Leitung eines Hauses für Aaotte Lebe Katholikinnen zu übernehmen. Das bigotte Leben der Damen mißfiel ihr; sie begab sich zu den Ursulinerinnen nach Thonon und 1685 nach Vercelli, aber ihre einflußreichen Gegner wußten es durchzusetzen, daß sie 1688 in Paris in ein Kloster vom Orden der Heimsuchung Mariä abgeführt und dort scharf inquiriert wurde. In den J. 1688—94 lebte G. in Paris, verkehrte häufig in dem Erziehungsinstitut der Frau von Maintenon in St.⸗Cyr und trat in lebhaften Verkehr mit Fenelon. Eine Kommission von Theologen, Bossuet an der Spitze, bezeichnete 30 Sätze aus ihren Schriften als ketzerisch, worauf hin G. 15. April 1695 den verlangten Widerruf leistete. Sie fuhr dann fort, in Paris Versammlungen zur Erweckung eines innern religiösen Lebens zu halten. Deshalb wurde sie 1695 in die Bastille abgeführt und erst im J. 1700 oder 1702 wieder freigelassen. Seitdem lebte sie bei ihrem Sohn Armand in Diziers bei Blois in Zurückgezogenheit und starb her 9. Juni 1717. Ihre Schriften gab Poiret eraus (Par. 1713—22), darunter ihre Selbstbiographie (Par. 1720). Vgl. Upham, XLite, religious opinions and experience of Madame (2. Aufl., Lond. 1870); Heppe, (Geschichte der pietistischen Mystik in der kath. Kirches (Berl. 1875); Gerrier, Madame G. (Par. 1881).