Haarmenschen, Bezeichnung von Individuen, bei welchen infolge eines seltenen Naturspiels über den ganzen Körper (hypertrichiasis universalis) oder über einen großen Teil des Körpers ein stark entwickelter Haarwuchs sich findet. Zustände der Art wurden bereits in frühern Jahrhunderten ab und zu als Kuriositäten beschrieben und abgebildet; gegenwärtig haben dieselben, da sie wohl mit Recht als atavistische Erscheinungen gedeutet werden, ein größeres Interesse gewonnen. Nicht hierher gehörig sind die Fälle von ausgebreiteterer, meist aber nur einzelne sonst haarlose Körperstellen treffender Behaarung, bei welchen die Haut krankhaft entartet (verdickt, pigmentiert) ist und welche unter den Begriff des ausgebreiteten, behaarten Muttermals (uaevus pilosus) fallen. Indem bei den H. jedes einzelne, unter normalen Verhältnissen ganz kurze Härchen des Gesichts, der Brust u. s. w. zu einem ansehnlich langen Haar auswächst, diese Haare aber von Stelle zu Stelle in verschiedenen Richtungen und Zügen (den sog. Haarströmen und ⸗Wirbeln) angeordnet sind, gleicht das Antlitz eines solchen Menschen in auffallender Weise dem eines Pudels oder langhaarigen Affen; die Behaarung läßt oft nur das Lippenrot und die Augen frei, der ganze Körper, zumal der Rücken, ist mit einem dichten, mehr oder weniger langzottigen Vlies besetzt. Für die atavistische Bedeutung dieses Zustandes, von dem bereits gegen 30 wohlverbürgte Fälle vorliegen, spricht die Thatsache, daß die abnorme Behaarung stets von derjenigen Stelle ausgeht, an welcher auch bei den Säugetieren die Behnckens am dichtesten ist: von der Mittellinie des Rückens. Der Zustand, bei Menschen verschiedener Rassen beobachtet, erwies sich in mehrern Fällen bis ins dritte Glied erblich. Die bekanntesten Fälle dieser abnormen Behaarung sind die der Mexikanerin Julia Pastrana, der russ. Haaro⸗ oder »Hundemenschens Andrian und Fedor, der ital. Familie Ambras und der Siameserin Krao, des sog.