Haase (Friedr.), hervorragender Schauspieler, Ran 1. Nov. 1826 zu Berlin als Sohn des ersten ammerdieners des damaligen Kronprinzen, spätern Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, der ihn, nachdem H. das Ahiturientenexamen bestanden hatte, von Ludwig Tieck in der Schauspielkunst unterweisen ließ. Vom König empfohlen, er2570 H. 1846 ein Engagement am Hoftheater zu Weimar und debütierte daselbst 14. Jan. als armer Poet (Hofmeister in tausend Angsteno), ohne sonderliche Befähigung zu verraten. Im J. 1848 verließ er diese Bühne wieder, spielte einige Zeit in Potsdam und gastierte auf Wunsch des Königs 1849 am berliner Hoftheater. Seinen Ruf begründete er als Mitglied des ständigen Theaters zu Prag (1849—51); von hier wandte er sich nach Karlsruhe (1851—52), dann nach München (1852 55) und nach Frankfurt a. M. (1855—58). In dieser Zeit begann er auch seine ausgedehnten Gastspiele, die ihn bis nach Holland, Ungarn und Petersburg führten, in welch letzterer Stadt er während sechs Saisons (1860—65) der gefeiertste Darsteller der deutschen Bühne war. Von 1867 bis 1868 stand H. dem Hoftheater zu Coburg-Gotha als Direktor vor; 1869 trat er in den Mitgliedverband des Hoftheaters zu Berlin, verließ dieses aber schon 1870 wieder, um die Direktion des leipziger Stadttheaters zu übernehmen, das er mit vielem Geschick und auch mit großem materiellen Erfolg leitete. Nach Ablauf seines leipziger Kontrakts (1876) gehörte H. noch einmal kurze Zeit der berliner Hofbühne an, widmete sich aber dann unter Beibehaltung seines berliner Wohnsitzes gänzlich dem wandernden Virtuosentum. Von den zahlreichen Gastspielen dieser Zeit ist eine achtmonatliche Gastspieltournée durch die Vereinigten Staaten Nordamerikas (1882—83) bis nach Californien am erwähnenswertesten. Im J. 1883 beteiligte sich H. als Societär an dem in Berlin neu begründeten Deutschen Theater, trat aber, schon längere Zeit leidend, Anfang März 1884 aus dem Societätsverband zurück. H. gehört zu den beliebtesten Darstellern der deutschen Bühne. Seine große Anziehungskraft beruht zumeist auf der ausnehmenden Feinheit seiner Kabinettsstücke in Lustspielrollen, während er in tragischen Rollen trotz der originellen dich und geistvollen Durcharbeitung häufig durch Übertreibung und Vorliebe für das Mosaikartige großen Wirkungen Abbruch thut. Zu seinen besten Rollen gehören besonders: Graf Klingsberg (Vater), Graf Thorane im „(Königslieutenantv, Chevalier Rocheferrier, Harleigh in Sie ist wahnsinnigo u. s. w. H. ist seit 1862 in zweiter Ehe mit Elise Schönhoff vermählt. Diese wurde geb. 8. Sept. 1837 zu Braunschweig, kam hier früh zum Theater und gehörte nacheinander den Bühnen in Riga, Schwerin, Wien (Burgtheater), Berlin (Hof- und Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater), Dresden (Hoftheater) und Petersburg (deutsches Hoftheater) an. Ende der siebziger Jahre trat sie von der Bühne ab, auf der sie besonders in Salonrollen Gutes geleistet hatte.