FeedHackländer (Friedr. Wilh., Ritter vom)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Hackländer (Friedr. Wilh., Ritter vom), beliebter Romanschriftsteller und Lustspieldichter, geb. 1. Nov. 1816 zu Burtscheid bei Aachen, widmete sich zuerst dem Handelsstand, trat dann in die preuß. Artillerie ein, kehrte aber, da er keine Aussicht auf Avancement hatte, nach einiger Zeit zu seinem frühern Berufe zurück. Später wandte er sich nach Stuttgart, wo er seine litterarische Thätigkeit mit den Bildern aus dem Soldatenleben im iden dlatt. er 1841) begann, die zuerst im WMorgenlatte erschienen. Der frische Humor dieser Skizzen verschaffte dem Verfasser die Gunst des württemb. Oberstallmeisters Baron von Taubenheim, der ihn um Begleiter auf seiner 3 in den Orient wählte. itterarische Früchte dieser Reise waren die „Da-Drient“ pen, „Eiutta. 18 auf einer i in den riento (2 Bde., Stuttg. 1842) und der Pilgerzug nach Mekkay (Stuttg. 1847), eine Sammlung orient. Märchen und Sagen. Durch den Grafen Neipperg dem Könige von Württemberg empfohlen, arbeitete H. einige Zeit auf der königl. Hofkammer zu Stuttgart, bis er 1843 zum Sekretär des Kronprinzen ernannt wurde, mit dem er Reisen nach Italien, Sicilien, Norddeutschland, Belgien und Petersburg machte. Während dieser Zeit veröffentlichte er die Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VIII. (Wachtstubenabenteuer» (Stuttg. 1841), eine gelungene Fortsetzung des „Soldatenleben im Friedenv, sodann »Märcheno (2 Bde., Stuttg. 1843) und mancherlei kleine Arbeiten, die er in den Hudern aus dem Lebend (Stuttg. 1850) zusammenfaßte. Anfang 1849 mit Gehalt zur Disposition gestellt, ging er im März 1849 nach Italien, wo er Gelegenheit nahm, im Gefolge Radeßkys den Feldzug gegen Piemont mitzumachen. Nach seiner Rücklehr wohnte er der Occupation von Baden, insbesondere der Einnahme von Rastatt, im Hauptguartier des Prinzen von Preußen bei. Seine Erlebnisse im Felde veranlaßten sein «Soldatenleben im Krieges (2 Bde., Stuttg. 1849—50), das sehr beifällig aufgenommen wurde. Nach seiner Ver-IH11. 1849 nahm er seinen bleibenden Aufentalt in Stuttgart. H. machte 1854 eine Reise nach Spanien, deren Eindrücke er in «Ein Winter in Spanieno (3 Bde., Stuttg. 1855) schilderte. Vom König von Württemberg 1859 zum Direktor der königl. Bauten und Gärten ernannt, hat er wesentlich zur Verschönerung Stuttgarts beigetragen. Bei Ausbruch des ital. Kriegs wurde 9. durch den Kaiser von Ssterreich nach Verona berufen, und blieb im kaiserl. Hauptquartier bis nach der Schlacht von Solferino. Im J. 1861 ward er für sich und seine Nachkommen in den österr. Ritterstand erhoben. Nach dem Tode des Königs Wilhelm I. von Württemberg 1864 aus dem königl. Dienste entlassen, zog er sich in das n Leont r zurück und starb 6. Juli 1877 in der Villa Leoni am Starnbergerse. Während H. früher seine Stoffe vorzugsweise dem Soldaten- und Reiseleben entnommen, bot er später in „Handel und Wandel (2 Bde., Berl. 1850) Reminiszenzen aus seiner kaufmännischen Zeit. Letzterm Werke folgten Namenlose Geschichteno (3 Bde., Stuttg. 1851), «Eugen Stillfried⸗ (3 Bde., Stuttg. 1852) und die Romane Europ. Sklavenlebeno (4 Bde., Stuttg. 1854), «Der neue Don Quixoted (5 Bde., Stuttg. 1858) und Die dunkle Stunder (5 Bde., Stuttg. 1863), ein Gegenstück zu dem schon früher erschienenen Augenblick des Glücks» (2 Bde., Stuttg. 1857); ferner «Künstlerromano (5 Bde., Stuttg. 1856), (3Zwölf Ctadt, (2 Bde., 1867), (Das Geheimnis der Stadt“ (3 Bde., 1868), «Geschichten im Zickzackh (4 Bde., 1870), „Der letzte Bombardiero (4 Bde., 1870), „Das Ende der Gräfin Patatzkyp (1871), Der Sturmvogelo (4 Bde., 1872), Mulleny (3 Bde., 1873), Kainszeichene (4 Bde., 1874), Verbotene 351 tes (1876) u. s. w. In der von ihm 1857 mit oller begründeten illustrierten Zeitung aliber Land und Meerv veröffentlichte er außer kleinern Novellen und Erzählungen auch die Romane: Wechsel des Lebenso (3 Bde., Stuttg. 1861), Tag und Nachte (2 Bde., Stuttg. 1860) und «Fürst und Cavaliero (Stuttg. 1865). In allen diesen Werken, die zum großen Leil Iahhrice Auflagen erlebten, bekundet sich H. als ein begabter Vertreter des humoristischen Sittenromans. Auch ist er mit Erfolg als Lustspieldichter aufgetreten. Sein „Geheimer Agente, der 1850 in Wien bei der Konkurrenz den Preis erhielt, und die Magnetischen Kureno (1851) wurden auf allen deutschen Bühnen gegeben. Diesen folgten die kleinen einaktigen Stücke «Schuldigo, Unten im Hausez, Monsieur de Blév, sowie später die größern Lustspiele Zur Ruhe setzeno (1857), „Der verlorene Sohno(1865), Marionetteno (1868) und «Diplomatische Fäden (1873). Eine Gesamtausgabe seiner Werke (in 4 Serien und 60 Bdn., Stuttg. 1863—74; 2. Aufl. 1874—76) hat H. selbst veranstaltet. Seine „Ausgewählten Werke erschienen in 20 Bdn. (Stuttg. 188182). Auch gab er 1855—68 mit Hoefer die „Hausblätters heraus. D den J. 1873—76 veröffentlichte H. unter dem itel Sorgenlose Stunden im Kreise beliebter Erlerv eine Novellenbibliothek. Aus seinem Nacherschien ein Teil seiner Selbstbiographie unter dem von ihm selbst bestimmten Titel: «Der Roman meines Lebensy (2 Bde., Stuttg. 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 689Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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