FeedHadramänt
ErdkundeBrockhaus 1882

Hadramänt, in der Genesis Khatzarmaveth, der noch am wenigsten erforschte Teil Arabiens, ein längs der Südküste der Halbinsel sich vielleicht 12—1500 km weit, bei etwa 190 km Breite, hinziehender Landstreifen zwischen dem im Westen gelegenen Jemen und dem östlich gelegenen Mahra. Von der Küste steigt das Land schwach an mit einzelnen Bergen und kurzen, tafelförmigen Ketten von 450—500 m Höhe. In den Schluchten liegen schmale, fruchtbar und gut bewässerte Streifen von Alluvium. Dahinter fol t ein hoher Kamm mit bis 2400 m hohen Gipfeln, und dann nach dem Innern ein 12—15 Tagereisen breites Plateau, das sich sanft nach Norden senkt und mit einer steilen, 300 m hohen Granitmauer plötzlich abbricht, welche zum Sandmeere abfällt. Das große Plateau durchschneidet ein 220 Em langer Thalspalt, das sog. Wädi Doän, zu dem zahlreiche Seitenthäler ausmünden, mit üppiger Vegetation bedeckt. In der Mitte fließt durch einen Dattelwald ein Bach, und am Fuße und den untern Abhängen der 170 m hohen Felswände liegen viele Ortschaften, von denen die größten, Schibam und Terim, je 20000 E. haben. An dem 400 km langen Strande liegen der sichere Nothafen Keschin und der Handelshafen Makalla. Die Zahl der Bewohner von H. wird auf 1550000 geschätzt. Sie teilen sich in drei Geschlechter: Beni Kahtan, Beni Amid und Beni Koräisch. Die erstern sind Beduinen und leben selten in Dörfern, meist in Wäldern oder Höhlen. Die Beni Amüd (die Säulen) sind die Städtebewohner des Hochlandes. Das Geschlecht der Beni Koräisch bewohnt in großen Massen die Städte des südl. Arabien. Die Sprache weicht von dem Arabischen im Innern sehr ab. Vgl. von Wrede, «Reise in H., Beled-Beni-Ysa und Beled-el-Hadscharo (herausg. von Maltzan, Braunschw. 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 692Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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