FeedHadrianus (Publius Alius)
GeschichteBrockhaus 1882

Hadrianus (Publius Alius), einer der ausgezeichnetsten röm. Kaiser, 117—138 n. Chr., geb. zu om 24. Jan. 76 n. Chr., verlor im 10. Jahre seinen Vater, Alius Hadrianus Afer, der Senator zu Rom war und aus dem span. Municipium Italica stammte, wohin die Vorfahren zur Zeit des Scipio aus Hadria in Picenum gewandert sein sollten. Unter der Regierung seines Vetters Trajan, der sein Vormund gewesen und dessen Großnichte Sabina er im J. 100 heiratete, verwaltete er die uhnie-Staatsämter. Er begleitete den Kaiser auf den Kriegen gegen Decebalus und wurde von ihm 117 als Statthalter Syriens zu Antiochia an der Spitze der asiat. Armee zurückgelassen. Diese rief ihn zum Kaiser aus, als 11. Aug. die Nachricht nach Antiochia kam, daß Trajan auf seiner Rückreise nach Italien zu Selinus in Cilicien vom Tode ereilt und daß H. (was Trajans Gemahlin, Plotina, durchgesetzt hatte) von ihm adoptiert worden sei. Durch Abtretung der Eroberungen Trajans jenseit des Euphrat gewann er von den Parthern Frieden und begab sich 118 nach Rom, wo ihn der Senat anerkannt hatte und wo er sich durch Freigebigkeit gegen das Volk und einen großartigen Erlaß vieler Millionen rückständiger Steuern in der Herrschaft befestigte. H. machte seit Ende April 121 bis Ende 126, um den Zustand der Provinzen kennen zu lernen, eine berühmte Inspektionsreise beinahe durch das ganze Reich. Bei einer zweiten Reise vom April 129 bis Mai 134 in den Orient verlor er (30. Okt. 130) seinen Liebling Antinous in Agypten. Der Aufstand der Juden (seit Anfang 132) unter Bar-Cochba wurde durch H.“' Feldherrn, Gajus Julius Severus, 135 unterdrückt. In Athen, für welches H. Pui Vorliebe zeigte, r er dessen südöstl. Teil mit Bauwerken gechmückt, namentlich durch den Ausbau des im Herbst 129 eingeweihten Tempels des Olympischen Jupiter. Seine letzten Jahre verlebte H. in Rom und Tibur. Eine schmerzhafte Krankheit, die ihn auch 10. Juli 138 . Bajä hinraffte, veranlaßte bei ihm einige gewaltsame Ausbrüche mißtrauischer Grausamkeit. Nach dem Tode (1. Jan. 138) des Lucius Aurelius Cejonius Commodus Verus, den er unter dem Namen Lucius Älius Verus adoptiert hatte, war 25. Febr. 138 Antoninus Pius von ihm als Sohn und Nachfolger angenommen worden. Nicht aus Feigheit, die ihm fälschlich vorgeworfen wird, oder Trägheit war die Politik H.“ eine friedliche, vielmehr weil er das Verderbliche einer Erweiterung des Reichs erkannte. Die Grenzen wurden namentlich im südwestl. Germanien und in Britannien, wo der sog. Piktenwall 122—124 auf hochst Befehl entstand, befestigt, das Heerwesen höchst zweckmäßig verbessert und mehrfach gründlich neu geordnet. Die kaiserl. Rechtsprechung ward durch schärfere Ausbildung des Geheimen Rats des Fürsten (Consilium principis), die Rechtspflege überhaupt durch die Abfassung des Edictum perpetuum bestimmter geordnet, Italien in vier Teilen vier Konsularen als kaiserl. Rechtspflegern untergeben, das Wohl der Provinzen gefördert auf jede mögliche Weise, endlich auch die großen Hof- und Reichsämter nicht mehr durch Freigelassene, sondern durch röm. Ritter besetzt. Gute Staatshaushaltung bot seiner für das Reich höchst wohlthätigen Regierung die Mittel zur Ausführung überaus nischen er großer Bauten, von denen, nächst den athenischen, namentlich die Anlage mehrerer Städte, deren wichtigste Hadrianopolis in Thrazien, das Mausoleum, das er 9 in Rom errichtete (die sog. Moles Hadriani, der Kern der jetzien Engelsburg), und die dahin führende Alische rücke, sowie die große, prachtvolle Villa zu Tibur zu erwähnen sind, wie auch die Straßenbauten über den korinth. Isthmus und die Wasserleitung von Stymphalos nach Korinth. H. war ein Freund der bildenden Künste, der Poesie, Philosophie und Be-GxReten. und versuchte sich selbst in allen diesen Gebieten. Die griech. Litteratur schätzte er hoch. Auch dem griech. Kultus, in dessen eleusinische Mysterien er sich hatte einweihen lassen, war er geneigt, förderte aber auch das Eindringen des ägypt. Kultus in Rom. Vgl. Gregorovius, Geschichte des röm. Kaisers H. und seiner Zeite (Königsb. 1851; 2. u. 3. Aufl. unter dem Titel Der Kaiser Hadrian. Gemälde der röm.⸗hellenischen Welt zu seiner Zeitv, Stuttg. 1884); Dürr, «Die Reisen des Kaisers Hadriano (Wien 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 693Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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