FeedHagen (Friedr. Heinr. von der)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Hagen (Friedr. Heinr. von der), verdient als Förderer der altdeutschen Studien, geb. 19. Febr. 1780 zu Schmiedeberg in der Ukermark, besuchte das Lyceum zu Prenzlau und widmete sich dann auf der Universität zu Halle der Rechtswissenschaft, war kurze Zeit im praktischen Staatsdienste und wandte sich dann ganz dem Studium der ältern deutschen Litteratur zu. Im J. 1810 wurde H. zum außerord. Professor der deutschen Sprache und Litteratur an der neueröffneten Universität zu Berlin ernannt; 1811 nach Breslau berufen, kehrte er 1821 als ord. Professor nach Berlin zurück, wo er später auch in die Akademie der Wissenschaften gewählt ward. Er starb zu Berlin 11. Juni 1856. H. hat das Verdienst, den Sinn für das deutsche Altertum, insbesondere für die altdeutsche Poesie nach Kräften gefördert zu haben, wenn er auch bei seiner, in der poetischen und polit. Begeisterung der Freiheitskriege und der romantischen Schule wurzelnden Richtung mit der von Lachmann und Grimm in andere Bahnen geleiteten Wissenschaft der deutschen Philologie nicht gleichen Schritt zu halten vermochte. Er war 1810 der erste in Deutschland, der das Altdeutsche in die Reihe der Universitätsstudien cete nh Seine wissenschaftliche Thätigkeit richtete sich vorzugsweise auf die deutsche Heldensage, insbesondere aber auf das Nibelungenlied. Er gab dasselbe, nachdem er schon 1807 eine Art Üübersetzung hatte erscheinen lassen, viermal (1810, 1816, 1820 und 1842) heraus, und die dritte Ausgabe kann für eins seiner Hauptwerke denfan Ferner veröffentlichte er bezüglich der Heldensage „Deutsche Gedichte des Mittelalterss mit Büsching, Berl. 1808), «Das Heldenbuch in der Ursprachen (mit Primisser, 2 Bde., Berl. 1820 —24) und das „Heldenbuch (2 Bde., Lpz. 1855). 5.8 zweites Hauptwerk ist die fleißige Sammlung der »Minnesinger (4 Tle. in 3 Bdn., Lpz. 1838), der er später im ⸗Bildersaal altdeutscher Dichtero Berl. 1856) die Ergebnisse der mühsamsten Forchungen uber Bildnisse, Wappen und Lebensverältnisse der deutschen Dichter des 12., 13. und 14. Jahrh. beifügte. Von seinen übrigen Werken sind noch hervorzuheben: „Litterarischer Grundriß der Geschichte der deutschen Poesies (Berl. 1812), Das Buch der Lieben (mit Büsching, Bd. 1, Bd. 1809), Altdeutsche und altnordische Heldensageno (2. Aufl. 2 Bde., Berl. 1855), „Gottfried von Straßburgs Werke v (2 Bde., Bresl. 1823), die durch die fleißien litterarischen Nachweise brauchbare Sammung altdeutscher Erzählungen «Gesamtabenteuer3 Bde., Stuttg. 1850), „«Kreuzfahrt des Landgrasen Ludwig des Heiligeno (Lpz. 1854), «über die ältesten Darstellungen der Faust-Sager (Berl. 1844) u. s. w. Mit Habicht und Schall führte er die Märchen der Tausendundeine Nacht o (15 Bde., Bresl. 1825; 5. Aufl. 1840), allein aber Tausendundein Tag» (11 Bde., Prenzl. 1826—32; 2. Aufl. 1836) in die deutsche Litteratur ein. Seit 1835 b H. das „Jahrbuch der berliner Gesellschaft für tsche Sprache und Altertumskunde » heraus, in welchem sich viele Arbeiten von ihm finden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 702Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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