Hagedorn (Friedr. von), namhafter Dichter des 18. Jahrh., geb. 23. April 1708 zu Hamburg, besuchte das dortige Gymnasium und studierte seit 1725 in Jena die Rechte. Im J. 1728 ging er als Privatsekretär mit dem dän. Gesandten nach London, von wo aus er 1729 in Hamburg auf Hamanns Zureden die erste Sammlung seiner Poesien unter dem Titel „Friedrich von H. Versuch einiger Gedichte veröffentlichte (Reudruck von A. Sauer, Heilbr. 1883). Doch schon 1731 kehrte er nach Hamburg zurück, wo er 1733 als Sekretär bei dem English Court, einer seit früher Zeit daselbst bestehenden Gesellschaft engl. Kaufleute, angestellt wurde. Diese Stelle ließ ihm hinlängliche Muße, der Dichtkunst zu leben. Er starb in Hamburg 28. Okt. 1754. H. war kein im großen gestaltender, schöpferischer Geist, aber dadurch für seine Zeit bedeutend und auch für die Zukunft einflußreich, daß er, ebenso frei von Lohensteins Schwulst als von Neulirchs ärmlicher Nüchternheit, das Lied auf einfachere Elemente zurückführte, ihm einen höhern Grad von Sangbarkeit erteilte, sodaß die beliebtesten Komponisten damaliger Zeit populäre Melodien dazu setzten. Er ließ überhaupt das Gefühl reiner und natürlicher im Liede sprechen, als es von seinen Vorgängern geschehen. Anakreontisch-satirische Lebensweisheit, Verherrlichung anmutiger Naturscenen, Zufriedenheit, Geselligkeit und Freundschaft bilden die Hauptelemente seines Liedes, in welchem ihm zum Teil Chaulieu Vorbild war. So hat H. das Verdienst, der eigentliche Schöpfer des deutschen Gesellschaftsliedes geworden zu sein. Auch in der poetischen Epistel, worin ihm Horaz, und in der poetischen belehrenden Erzählung, worin ihm Lafontaine Muster war, leistete H. für seine Zeit Treffliches. Zugleich erscheinen in seinen Liedern die rhythmische Form und die Sprache, an der er, wie die verschiedenen Ausgaben seiner Poesien beweisen, unablässig feilte, von einer für seine Zeit ungewöhnlichen Reinheit, Anmut und wohltönenden Leichtigkeit, sodaß er sich den Beinamen des Dichters der Grazien erwarb. Die beste Ausgabe seiner Poetischen Werley nebst Lebensbeschreibung und Charakteristik besorgte Eschenburg (5 Bde., Hamb. 1800).