Halicz oder Halitsch, Stadt in Galizien, Bezirkshauptmannschaft Stanislau, am Dnjestr und an der Lemberg-Czernowitz-Jassyer Eisenbahn, in einer fruchtbaren Gegend, ist der Sitz eines Bezirks⸗ und eines Steueramts, hat ein Minoritenkloster, eine griech.⸗kath. Kirche, zwei Synagogen und zählt (1880) 3464 E., die größtenteils Juden von der karaitischen Sekte sind. Seifensiederei und Benutzung der nahen Salzquellen sind die Hauptnahrungszweige des Ortes. In der Nähe liegen auf einem steilen Hügel die Trümmer des festen Schlosses H., in welchem die alten Beherrscher des Fürstentums und Königreichs Haliez, woraus nachmals der Name Galizien (s. d.) entstand, und später seit 1375 die lat. und griech.Kath. Erzbischöfe ihren Sitz hatten, bis 1416 die Erzbistümer mit denen von Lemberg verbunden wurden. Einer der Fürsten, unter welche das westl. Rußland geteilt war, Wladimirko, erhob im 12. Jahrh. H. zu seiner Residenz, und es erlangte bis in das 13. Jahrh. einen mächtigen Aufschwung, doch führten die innern Fehden, die Einfälle der Tataren, Litauer und Türken seinen Verfall herbei. derch Georg II., Urenkel des Fürsten Leo, der Lemerg gründete und anstatt H. zur Residenz erhob, war im 14. Jahrh. der letzte selbständige Fürst von H. Es kam an Polen, doch trat im Vertrag von 1352 der poln. König Kasimir die Oberhoheit von H. an Ludwig, König von Ungarn und Polen, ab, was 1772 Ssterreich bei Besitznahme von Galizien geltend machte.