FeedHallwyl
ErdkundeBrockhaus 1882

Hallwyl, Schloß und Dorf im Bezirk Lenzburg des schweiz. Kantons Aargau. Das S loß, Stammsitz und Eigentum des uralten Ade Sgeschlechts gleichen Namens, liegt, von tiefen Gräben umgeben, 447 m über dem Meere, 13 km südöstlich von Aarau an der Aa, unweit von deren Austritt aus dem Hallwylersee, und besteht aus Iunt Türmen und zwei durch hohes Mauerwerk verbunenen Herrenhäusern, die mit . Nebengebäuden einen Hof umschließen. Das noch jetzt blühende Geschlecht von H. wird urkundlich zuerst 1138 erwähnt. Zuerst Ministerialen der Grafen von Kyburg, traten die H. 1273 unter die Herrschaft der Habsburger, denen sie als Räte, Hofmeister, Marschälle und Vögte in den vorderösterr. Landen wesentliche Dienste leisteten. Bei der Eroberung des Aargaues durch die Berner 1415 wurde zwar auch das Schloß H. eingenommen und verbrannt, die Herren von H. aber, nachdem sie Bern gehuldigt und das bernische und solothurnische Bürgerrecht erworben hatten, im Besitze ihrer Herrschaften und Gerechtsame belassen bis 1798 der Umsturz der alten Eidgenossenschaft sowohl der bernischen Herrschaft im Aargau als den Sonderrechten des aargauischen Adels ein Ende machte. Die bedeutendsten Männer brb. altberühmten Geschlechts, das im 17. Jahrh. in den österr. Grafenstand erhoben wurde, waren Johann von H. (gest. 1348), der als Hofmeister und Marschall der Herzöge von Osterreich und Landvogt im Sundgau und in der Grafschaft Pfirt sein Geschlecht auf den Gipfel seines äußern Glanzes und Ansehens brachte, und Hans von H. (1434 —1504), der als Anführer der bernischen Vorhut in der Schlacht bei Murten 1476 viel zum Siege der Eidgenossen über die Burgunder beitrug. Vgl. Brunner, Hans von H.v (Aarau 1872). Das Dorf Hallwyl oder Nieder-Hallwyl liegt 1,5 km nordwestlich vom Schlosse auf der linken Seite des Aathals an der Seethalbahn und zählt (1880) 410 reform. E., deren Haupterwerbsquelle der Feldbau ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 740Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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