Hanau, Kreisstadt im Regierungsbezirke Kassel der preuß. Provinz Hessen-Nassau, liegt in einer zwar sandigen, doch sorgfältig angebauten Gegend, an der Mündung der Kinzig in den Main und an den Linien Frankfurt-Aschaffenburg und H.⸗Erbach der Hessischen berg der. Pr und Halle-Frankfurt und Am Main iit der reußischen Staatsbahnen. Am Main ist ein Hafen, der Rest eines Kanals, der bis in die Stadt führte. H. selbst besteht aus der 75 alter Art gebauten Altstadt und der Neustadt, die 1597 durch eingewanderte Wallonen und Niederländer mit geraden und breiten Straßen angelegt wurde. Am Ende der Stadt im Norden liegt das alte gräfl. Schloß, jetzt Wohnsitz der landgräfl. Familie von Hessen-Philippsthal. H. hat zwei unierte prot. Kirchen, nämlich die alte Marienkirche mit der Gruft der Grafen von H.⸗ Münzenberg und die 1658 gebaute O.dchtenerg mit der Gruft der Grafen von H.⸗Lichtenberg, ferner eine 1600 gebaute Doppelkirche der wallonischen und der niederländ. Gemeinde, eine kath. ichute; eine Synagoge, ein Gymnasium, eine Realschule, eine höhere Mädchenschule, eine Zeichenakademie, ein Theater, ein Zeughaus, ein Waisenhaus und ein Landkrankenhaus. Die Wetterauische Gesellschaft für Naturwissenschaften besitzt ansehnliche Sammlungen, ebenso der Geschichtsverein. Die Stadt ist Sitz eines Landratsamts, eines Landgerichts, eines Amtsgerichts, eines Superintendenten, eines kath. Dekans, eines Hauptsteueramts, einer Handelskammer, einer Nebenstelle der Reichsbank und anderer Behörden und zählt (1880) 23 086 meist prot. E. Nächst Kassel ist H. die bedeutendste Stadt im Regierungsbezirke, steht aber in gewerblicher Hinsicht allen übrigen Orten desselben voran. Hauptgegenstände der Fabrikthätigkeit sind Bijouterie, Tabak, Cigarrenformen, Etuiarbeiten, Handschuhe, Teppiche, Strumpfwaren, Papier. Es besteht eine große Eisengießerei, eine Diamantschleiferei und eine Platinschmelze (diese beiden die einzigen in Deutschland). In der Nähe der Stadt liegen das Schloß Philippsruh, Wohnsitz des Land-Rumv Friedrich von Hessen, Wilhelmsbad und umpenheim. Im Dreißigjährigen Kriege hielt H. 1630 eine Blockade, dann 1636 eine bedeutende Belagerung durch die Kaiserlichen aus, bis es 13. Ren. 1636 durch den Landgrafen Wilhelm V. von Hessen-Kassel entsetzt wurde. Außerdem ward es in der Kriegsgeschichte berühmt durch die Schlacht bei Hanau vom 30. Okt. 1813, die letzte, welche Napoleon I. in Deutschland Rievr Nachdem sich Bayern durch den Vertrag zu Ried, 8. Okt. 1813, mit Osterreich gegen Napoleon verbündet hatte, zog der nachmalige Feldmarschall und Fürst Wrede 16. Okt. an der Spitze eines 56 000 Mann starken bayr.⸗österr. Heeres nach Würzburg, um Napoleon, der nach der Schlacht bei Leipzig mit 80000 Mann Mainz und dem Rheine zueilte, den Weg zu verlegen. Allein Würzburg, welches der franz. General Turreau mit 12000 Mann besetzt hielt, hemmte Wredes Vorrücken. Dieser nahm nach einem Bombardement 26. Okt. die Übergabe der Stadt ohne die Citadelle Marienberg an und zog über u steß, im wo eine württemb. Brigade zu ihm stieß, im ganzen jetzt noch 40000 Mann stark, nach H. Allein auch Napoleon hatte inzwischen die Umgegend von H. erreicht, und die Franzosen trafen demnach mit dem Wredeschen Korps zu gleicher Zeit dort ein. Am 8. Okt., wo die Verbündeten H. besetzten, begann bereits der Kampf. Am 29. Okt., von 10 Uhr morgens bis 3 Uhr z wergehlie griffen die franz. Kolonnen wiederholt vergeb ich Wredes Mitteltreffen an. Schließlich warfen sich 30. Okt. Napoleons Reitergarden in drei Treffen gleichzeitig auf die Kavallerie und Infanterie der Verhündeten, während letztere durch die Artilleriereserve beschossen wurde. Die Infanterie geriet in Unordnung, die Kavallerie der Verbündeten wich zurück, worauf auch die Infanterie auf dem linken Flügel über die Kinzigbrücke nach H. floh und die Stadt von den Franzosen mit Granaten beworfen wurde. Die Truppen des Mitteltreffens und des rechten Flügels zogen sich auf der aschaffenburger Straße zurück, wo sie wieder Stellung nahmen. Am 31. Okt. früh räumten die Verbündeten H., und die Franzosen rückten ein. Vgl. Dörr, „Die Schlacht bei H.y (Kassel 1851); «Die Schlacht bei H. am 30. und 31. Okt. 18135 (Hanau 1863). Seit dem 13. Jahrh. war H., 1303 zur Stadt erhoben, Wohnsitz der Herren von Hanau, von denen mehrere kaiserl. Landvögte in der Wetterau waren. Sie führten bereits 1343 die Primogenitur ein und wurden 1429 Reichsgrafen. Durch Erbschaft gelangte im 15. Jahrh. die Herrschaft Lichtenberg im Elsaß an einen Angehörigen des Hauses; die neue Linie nannte sich H.⸗Lichtenberg und die alte H.Münzenberg. Jene erlosch mit Johann Ernst 1642, und seine Besitzungen fielen an die jüngere Linie, deren Haupt 1696 in den Fürstenstand und zum Direktor des wetterauischen Grafenkollegiums erhoben wurde. Als auch diese Linie 1736 mit Johann iruherer II. im Mannsstamme erlosch, kam zufolge früherer Erbverträge H.⸗Münzenberg an Hessen-Kassel, H.⸗Lichtenberg an Hessen-Darmstadt. Unter der Regierung des Landgrafen Wilhelm IX. wurde die Grafschaft 1785 mit Hessen-Kassel vereinigt, 1803 durch Reichsbeschluß zum Fürstentum Hanau erhoben. Mit dem Kurfürstentum Hessen nahmen 1806 die Franzosen auch H. in Besitz, worauf es 1809 zum Großherzogtum Frankfurt geschlagen wurde, bis es 1813 wieder an Hessen-Kassel kam. Seitdem bildete es nebst dem vormals fuldaischen Amte Salmünster und den früher Worburautden Amtern Birstein, Wächtersbach, Meerholz und Langenselbold die kurhess. Provinz Hanau (die Kreise H., Gelnhausen und Schlüchtern), und seit 1866 einen Teil des preuß. Regierungsbezirks Kassel. Der Kreis Hanau zählt (1880) auf 346 qkm 82 385 E., worunter 14904 Katholiken und 1955 Juden. Vgl. Arnd, «Geschichte der Provinz H.v (Sanau 1858).