Handwerkervereine sind teils Verbindungen zur Förderung der geschäftlichen und wirtschaftlichen Interessen einzelner Handwerkszweige oder des Handwerkerstandes im allgemeinen, teils Vereine von mehr gemeinnützigen, namentlich auf die Verbreitung gewerblicher Kenntnisse und die Fortbildung der jüngern Handwerker gerichteten Tendenzen. Zu der ersten Kategorie gehören die auf Grund der Gewerbeordnung gebildeten Innungen, ferner die Rohstoff-, Magazin⸗ und andern Genossenschaften, sowie auch manche weitere Verbände, welche viele in einem größern Bezirke oder im ganzen Lande wohnende Fachgenossen zusammenfassen. Die Vereine der zweiten Klasse haben im wesentlichen den Charakter der Gewerbevereine (s. d.) und sie führen daher auch häufig die Doppelbezeichnung »Handwerker⸗ und Gewerbevereindꝰ. Jedo tritt in den bedeutendsten H. das pädagogische Element, namentlich in der Veranstaltung regelmäßiger Unterrichtskurse für Lehrlinge und Gesellen, stärker hervor. Es gilt dies besonders von dem berliner H., dem größten dieser Vereine, der ein zweckmäßig eingerichtetes eigenes Lokal mit Bibliothek, Sammlungen u. s. w. besitzt und von einer zahlreichen Lehrerschaft unterstützt wird, unter der sich viele namhafte wissenschaftliche Autoritäten befinden. Auch zu geselligen Zusammenkünften und angemessener Unterhaltung ist ausreichend Gelegenheit geboten. Die Mitgliederzahl belief sich 1875 auf beinahe 4500. (S. Gesellenvereine.)