FeedHänel (Albert)
GeschichteBrockhaus 1882

Hänel (Albert), hervorragendes liberales Mitglied des Deutschen Reichstags und des preuß. Abgeordnetenhauses, geb. 10. Juni 1833 in Leipzig, Sohn des 1833 verstorbenen Professors der Mediin Albert Friedrich H. (eines Bruders von Gustav Friedrich H.), studierte in Wien, Leipzig und Heidelberg die Rechte und Staatswissenschaften, habilitierte sich 1857 als Privatdocent in 00 und folgte 1860 einem Rufe als Professor nach Königsberg, 1863 nach Kiel. H. entfaltete neben seiner akademischen Wirksamkeit, von welcher zahlreiche Arbeiten Zeugnis ablegten, auch eine sehr lebhafte polit. Thätigkeit. Wie er in Königsberg ein thätiges Mitglied und Mitbegründer des Nationalvereins und der Deutschen Fortschrittspartei gewesen war, so trat er in Kiel 1864 entschieden für die Trennung Schleswig-Holsteins von Dänemark ein in seinen Schriften: Die Garantie der Großmächte für Schleswigo (Lpz. 1864) und Das Recht der Erstgeburt in Schleswig-Holsteino (Kiel 1864), verweigerte Christian IX. den Eid und wurde einer der Führer der schlesw.⸗holstein. Landespartei, so- wie 1866 der sich von dieser lösenden liberalen Partei. Seit 1867 gehört H. dem preuß. Abgeordnetenhause und dem Reichstage an. R der Fortschrittspartei, zu deren Führern er zählte, nahm er im Gegensatz zu Eugen Richter eine mehr vermittelnde Stellung ein und suchte namentlich die Fühlung mit den benachbarten liberalen Gruppen tets aufrecht zu erhalten. Seinen Bemühungen vornehmlich gelang es, beim Beginn der Frühjahrssession des Reichstags 1884 die Fortschrittspartei mit den sog. Secessionisten zu der «Deutschfreisinnigen Parteiv zu verschmelzen. Im Abgeordnetenhause war H. einige Zeit (1876) erster, im Reichstage während der drei ersten Sessionen der zweiten Legislaturperiode zweiter Vizepräsident. Er vertritt im Abgeordnetenhause den 15. schlesw.⸗ hie Wahlkreis (Segeberg), im Reichstage den Wahlkreis Kiel-Rendsburg. Von His wissenschaftlichen und publizistischen Arbeiten sind zu erwähnen: «Das Beweissystem des Sachsenspiegelso (Lpz. 1858), Decisiones consulum Goslariensiumo (Lpz. 1862), (Zur Frage der stehenden Gefälle in Schleswig-Holsteino (Kiel 1870—73), «Studien zum deutschen Staatsrechto (Lpz. 1873 u. 1880); im Verein mit Lesse gab er heraus: Die Gesetzgebung des Deutschen Reichs über Konsularwesen und See⸗

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 813Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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