Harleß (Gottlieb Christoph Adolf von), einer der einflußreichsten Vertreter der strengen luth. Orthodoxie, geb. 21. Nov. 1806 zu Nürnberg, besuchte das Gymnasium daselbst, studierte in Erlangen und Halle TD heologie, habilitierte sich 1828 bei der philosophischen, ein Jahr darauf bei der theol. Fakultät in Erlangen und wurde zugleich Lehrer am Didentlche daselbst; 1833 erhielt er eine außerordentliche, 1836 eine ord. Professur der Theologie nebst dem Amte eines Universitätspredigers. In dieser Zeit seines Wirkens entstanden H. drei Hauptwerke: der «Kommentar über den Brief an die —9 (Erlangen 1834; 2. Aufl. 1858), die Theol. Encyklopädie und Methodologie vom Standpunkte der prot. Kirches (Nürnb. 1837) und „Die christl. Ethik (Stuttg. 1842; 7. Aufl. 187⁵), die zu den aulft 5 Erscheinungen der ethischen Litteratur zählt. Als Abgeordneter auf dem bet Landtage 1842 — 43 Anteben sich H. besonders bei der Debatte über die niebeugungsfrage aus. Die Entschiedenheit, mit 1n rl er gegen die Übergriffe des Ministeriums von Abel auftrat, gaben der Regierung Anlaß, H. im März 1845 seiner Professur in Erlangen zu entheben und ihn als Konsistorialrat nach Bayreuth zu versetzen. In demselben Jahre jedoch folgte er einem Rufe als Professor an die Universität zu Leipzig, wo er auch 1847 Pastor an der Nikolaikirche wurde. Nach Ammons Ableben gewann er im Febr. 1850 durch seine Ernennung zum Oberhofprediger, Geh. unhtorial. im Ministerium des Kultus und Vize-Konsistorialpräsidenten in Dresden bedeutenden Einfluß auf die Gestaltung der prot.⸗kirchlichen Verhältnisse Sachsens. Im Nov. 1852 als Präsident des prot. Oberkonsistoriums nach München berufen, hat H. der prot. Landeskirche Bayerns (mit Ausnahme der Pfalz) einen streng konfessionell luth. Charakter aufgedrückt. H. trat im Jan. 1879, fast vollständig erblindet, in den Ruhestand und starb 5. Sept. 1879 in München. Außer zahlreichen einzelnen Predigten veröffentlichte er in der „Sonntagsweihey (2. Aufl., 4 Bde., Lpz. 1860) die in Leipzig, Dresden und München gehaltenen. Von seinen übrigen Schriften sind noch „Kirche und Amt nach luth. Lehren (Erlangen 1853), «Das Verhältnis des Christentums zu Kultur⸗ und Lebensfragen der Gegenwarte (Erlangen 1863; 2. Aufl. 1866), Jakob Böhme und die Alchimisten » (Berl. 1870; 2. Aufl., Lpz. 1882), «Geschichtsbilder aus der luth. Kirche Livlands v Epz. 1869), «Staat und Kirchey (Lpz. 1870) und im Verein mit Harnack Die kirchlich ereligiöse Bedeutung der reinen Lehre von den Gnadenmitteln »(Erlangen 1869) zu nennen. über seinen Lebensgan berichtet H. selbst in den „Bruchstücken aus dem Leben eines süddeutschen Theologenv (Bielef. 1872; neue Folge 1875).